Den Nachlass frühzeitig regeln

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Basler Zeitung, 12.5.2016

Von Marc Hutmacher, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Liestal

Ansonsten erben unter Umständen auch bei Alleinstehenden die Falschen

Alleinstehende Menschen geraten oft in einen Zwiespalt: Um ihren letzten Willen sicherzustellen, würden sie gerne ein Testament errichten. Doch wer soll Erbe werden, wenn man weder Kinder, einen Partner, nahe Angehörige noch enge Freunde hat, die man bedenken will? Lohnt es sich dann überhaupt, ein Testament zu errichten?

Grundsätzlich gilt: Regelt eine alleinstehende und kinderlose Person nicht, was nach dem Tod mit ihrem Vermögen geschehen soll, erben unter Umständen entfernte Verwandte, zu denen sie wenig oder gar keinen Kontakt hatte. Denn die Regeln der gesetzlichen Erbfolge sehen vor, dass in erster Linie die Eltern erben, wenn jemand weder einen Ehepartner noch Nachkommen hinterlässt. Sind die Eltern schon gestorben, treten an ihre Stelle die eigenen Geschwister, danach die Nichten und Neffen.

Sind keine Erben des sogenannten elterlichen Stammes vorhanden, fällt der Nachlass an den Stamm der Grosseltern. Dazu gehören neben den Grosseltern auch Onkel und Tanten, die Cousinen oder Cousins und so weiter. Sind auch da keine Erben vorhanden, erbt letztlich der Staat.

Die Erben selber bestimmen

Mit einem Testament kann der Erblasser die unbekannten Verwandten und Bekannten ausschliessen und selber bestimmen, wofür sein Vermögen nach seinem Tod verwendet wird. Allerdings dürfen dabei keine Pflichtteile verletzt werden. Hinterlässt der Verstorbene Kinder, Enkel oder Urenkel, stehen ihnen auf jeden Fall drei Viertel des Nachlassvermögens zu. Sind keine Nachkommen da, haben die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil.

Gemeinnützige Stiftung gründen

Beträchtlich sind in der Regel die Guthaben, die in der zweiten Säule, der Säule 3a oder mit einer Lebensversicherung angespart werden. Diese Guthaben fallen nicht in das Nachlassvermögen, das unter den Erben aufgeteilt wird. Alleinstehende sollten sich im Pensionskassenreglement beziehungsweise in den Versicherungsbedingungen informieren, wer diese Guthaben im Todesfall bekommt und welchen Einfluss sie auf die Reihenfolge der Begünstigten nehmen können.

In der Regel kann der Versicherte in einer schriftlichen Begünstigungserklärung festhalten, dass zum Beispiel die Mutter und der Bruder je die Hälfte des Kapitals bekommen. Oder, dass die Eltern übergangen werden und alles dem Bruder zufallen soll. Ähnliche Begünstigungsregeln gelten für Guthaben in der Säule 3a.

Besonders Menschen ohne nahe Verwandte wünschen sich oft, dass ihr Vermögen oder ein Teil davon einem guten Zweck zugutekommt. Sie können zum Beispiel im Testament eine oder mehrere gemeinnützige Institutionen berücksichtigen oder eine eigene gemeinnützige Stiftung gründen. Es empfiehlt sich, die Stiftung mit dem Mindestkapital von 50'000 Franken auszustatten, um die Beurkundungsund Notariatskosten tief zu halten. Nach der Gründung stockt man das Stiftungskapital Jahr für Jahr auf und widmet der Stiftung mit einer letztwilligen Verfügung den verbleibenden, frei verfügbaren Teil seines Vermögens.