Börsenturbulenzen: Lohnt sich eine Investition in Gold?

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Neue Luzerner Zeitung, 18.3.2016

Ratgeber: Ich (m, 45, verheiratet) bin angesichts der gegenwärtigen Börsenturbulenzen verunsichert. Ich habe rund 100‘000 Franken in verschiedene Fonds (je hälftig Aktien und Obligationen) investiert und seit Anfang Jahr einige Verluste eingefahren. Ich frage mich nun, ob ich einige Fonds verkaufen und dafür Gold kaufen soll. Der Goldpreis scheint wieder anzuziehen und mehr Sicherheit zu bieten. Wie hoch sollte der Anteil Gold in einem Portefeuille sein?

Von Philipp Hostettler, Anlage-Experte beim VZ VermögensZentrum in Luzern

Gold ist eine besondere Geldanlage und folgt nicht den gleichen Gesetzmässigkeiten wie andere Anlagen. Weil Gold auch ein Rohstoff ist, hängt sein Preis viel mehr von Angebot und Nachfrage ab als von Bewertungsüberlegungen. Gold wird in der Industrie kaum verwendet und trägt keine Zinsen - im Gegenteil: Die Lagerung kostet sogar Geld. Dennoch ist Gold bei den Anlegern heute wieder beliebter.

Hausse hat verschiedene Gründe

Für die gestiegene Nachfrage gibt es mehrere Gründe: Auch mit anderen Anlagen können Investoren derzeit keine Zinsen erwirtschaften. Zudem versuchen viele Staaten, ihre Wirtschaft zu stimulieren, indem sie immer mehr Geld in Umlauf bringen. Damit steigt das Risiko, dass die Inflation früher oder später sprunghaft ansteigt. Um sich dagegen abzusichern, kaufen einige Investoren Gold - auch wenn die Vergangenheit zeigt, dass das Edelmetall nicht immer vor einer Geldentwertung schützt. Ein wichtiger Grund für den derzeitigen Aufwärtstrend liegt aber auch im Dollar. Gold wird in der US-Währung gehandelt. Wegen schwächelnder US-Konjunkturdaten hat der Dollar in den vergangenen Monaten etwas an Wert eingebüsst. Der Rückgang macht das Edelmetall ausserhalb des Dollarraums günstig und stärkt somit die Nachfrage. Und nicht zuletzt haben die Turbulenzen an den Kapitalmärkten, ähnlich wie Sie, auch viele andere Investoren verunsichert. Für sie bleibt Gold ein sicherer Hafen.

Grosse Kursschwankungen

Dass vermehrt Anleger wieder in das Edelmetall investieren, bedeutet aber nicht, dass sich Gold grundsätzlich entgegengesetzt zu Aktien entwickelt und somit einen Schutz gegen Kursturbulenzen bietet - im Gegenteil. Auch hier zeigt die Vergangenheit: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase zum Beispiel verbuchten Aktien zwischen 2000 und 2003 hohe Kursverluste. Im Gegenzug gewann der Goldpreis (in Schweizer Franken gemessen) kaum an Wert. Aufgrund des hohen Kursschwankungsrisikos sollten Sie deshalb nicht mehr als 10 Prozent Ihres Vermögensteils, der für risikoreichere Anlagen vorgesehen ist, investieren. Je nach Zweck, den eine Anlage in Gold erfüllen soll, haben Sie dazu mehrere Möglichkeiten: Möchten Sie ihr bisheriges Portfolio möglichst breit diversifizieren, lohnen sich beispielsweise Gold-ETF. Ein Exchange- traded fund (ETF) (englisch für «börsengehandelter Fonds») ist ein passiv verwalteter Indexfonds. Diese Anlageprodukte sind leicht handelbar, transparent und - verglichen mit anderen Finanzinstrumenten - relativ günstig.

An- und Verkauf: Grosse Preisspanne

Fürchten Sie sich vor einer grossen Wirtschafts- und Finanzkrise, lohnt sich der Kauf von physischem Gold, beispielsweise in Form von Münzen, wie Goldvreneli, Krugerrand, Maple Leaf usw. Allerdings sollten Sie beachten, dass der Preis bei solchen Münzen im Ankauf vielfach deutlich über dem aktuellen Goldpreis liegt. Je nach Münze besteht zudem eine grosse Spannbreite zwischen An- und Verkauf. Wichtig ist zudem, dass Sie möglichst bekannte Münzen in relativ kleiner Stückelung kaufen. Die Echtheit, Qualität und der Wert der Münzen sollten auch in Krisenzeiten einfach zu überprüfen sein.