Arbeiten im AHV-Alter

Basler Zeitung, 4.2.2016

Von Vittoria Guernier, Pensionierungsexpertin beim VZ VermögensZentrum in Basel

So kann man Steuern sparen

Mit Mitte 60 ist er endlich da: der Ruhestand. Doch viele Menschen stellen bei der regulären Pensionierung fest, dass sie eigentlich lieber weiterarbeiten wollen, sofern der Arbeitgeber damit einverstanden ist. Einerseits haben sie Freude an der Arbeit, anderseits möchten sie noch mehr Vermögen aufbauen für später, wenn sie den Beruf ganz an den Nagel hängen. Doch die Berufstätigkeit im AHV-Alter kann zu hohen Einkommenssteuern führen, wenn zum Erwerbseinkommen noch Renten hinzukommen. Deshalb sollte, wer berufstätig bleiben will und nicht auf das Einkommen aus dem Vorsorgeguthaben angewiesen ist, den Bezug der Rente wenn möglich aufschieben.

Wie lange die AHV-Rente aufgeschoben werden soll, muss man nicht sofort festlegen: Wenn die Mindestdauer von einem Jahr abgelaufen ist, lässt sich die erste Rente jederzeit abrufen. Maximal kann die AHV -Rente um bis zu fünf Jahre aufgeschoben werden.

Wartet beispielsweise ein Mann ein Jahre zu, bevor er sich seine Rente aus der AHV auszahlen lässt, erhält er lebenslag eine um 5,2 Prozent höhere Rente, als wenn er sie bereits mit 65 bezieht. Wartet er gar bis 70 zu, erhält er lebenslang 31,5 Prozent mehr Rente. Wer sich für einen Rentenaufschub entscheidet, muss ihn spätestens ein Jahr nach dem Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalter - 65 Jahre für Männer, 64 Jahre für Frauen - bei der AHV-Ausgleichskasse anmelden. Den Entscheid für oder gegen einen Aufschub sollte man jedoch nicht allein von der steuerlichen Situation abhängig machen. Entscheidend ist auch die Einschätzung der persönlichen Lebenserwartung. Ohne Steuereffekte muss man mindestens etwa 86 Jahre alt werden, bis sich der Aufschub lohnt. Erst ab diesem Alter ist die Summe aller erhaltenen Renten höher als bei einem regulären Bezug.

Neben der AHV-Rente kann man in der Regel auch die Altersrente der Pensionskasse um bis zu fünf Jahre aufschieben, falls man erwerbstätig ist. Durch den aufgeschobenen Bezug steigt der Umwandlungssatz, mit dem die Pensionskasse das Altersguthaben in eine Rente umrechnet.

Rentenbezüge ohne Sperrfrist

In der Regel sind auch freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse möglich, sofern Beitragslücken bestehen. Einkäufe tragen dazu bei, das steuerbare Einkommen zu senken. Wer sein PK-Guthaben oder einen Teil davon in Kapitalform beziehen möchte, muss sich allerdings spätestens drei Jahre vorher einkaufen. Sonst sind die Steuern nachzuzahlen, die man dank dem Einkauf gespart hat. Rentenbezüge unterliegen keiner Sperrfrist.

Wer über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus erwerbstätig bleibt, darf auch weiter in die Säule 3a einzahlen (Männer bis längstens bis 70, Frauen bis 69). Die Beiträge sind auf 6768 Franken pro Jahr beschränkt, falls gleichzeitig Beiträge in die Pensionskasse gezahlt werden. Wer keine Pensionskassenbeiträge mehr zahlt, darf bis zu 20 Prozent des jährlichen Netto-Einkommens in die Säule 3a einzahlen, bis maximal 33 840 Franken.

 

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