Aktien können auch im Alter sinnvoll sein

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Basler Zeitung, 22.9.2016

Die Lebenserwartung steigt, das Risiko kann sich auch nach der Pensionierung lohnen

Von Alessandro Miano, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel

Die Zeit des Ruhestandes ist auch in finanzieller Hinsicht eine Herausforderung. Jetzt geht es darum, die richtige Mischung zu finden. Für viele Pensionierte hat Sicherheit die höchste Priorität. Gleichzeitig möchten aber viele Rentner ihr Geld auch nicht einfach auf einem Bankkonto liegen lassen, wo sie allenfalls noch Negativzinsen draufzahlen müssen. In jedem Fall braucht es eine auf die persönlichen Bedürfnisse angepasste Anlagestrategie.

Wer im richtigen Moment die richtige Aktie kauft, kann in kurzer Zeit einen grossen Gewinn erzielen. Erwischt er aber die falsche Aktie oder den falschen Moment, kann er viel Geld verlieren. Umso wichtiger ist es, eine auf die persönlichen Verhältnisse, Risikoneigung und finanziellen Möglichkeiten angepasste Anlagestrategie zu definieren.

Dabei hilft es, sein Vermögen in einen Verbrauchs- und einen Wachstumsteil aufzuteilen. In den Verbrauchsteil fliesst jener Betrag, der nötig ist, um den Einkommensbedarf für die erste Planungsetappe von zehn Jahren zu decken. Dieses Geld wird sehr sicher und ausschliesslich kurzfristig angelegt (zum Beispiel in Sparkonten und Franken-Obligationen) und schrittweise aufgebraucht. Der Rest fliesst in den Wachstumsteil und sichert das Einkommen für die folgenden zehn Jahre.

Das Vermögen im Wachstumsteil sollte in Anlagen investiert werden, die ein regelmässiges Einkommen garantieren. Zudem sollte ein genügend grosses Polster an flüssigen Mitteln zurückbehalten werden, für unvorhersehbare Auslagen wie zum Beispiel Renovationen, Erbvorbezug oder wenn man pflegebedürftig werden sollte.

Auch wenn Immobilien als sichere Anlage gelten, darf nicht vergessen werden, dass sie in der Regel nicht von heute auf morgen veräussert werden können, die meisten Wertpapiere dagegen schon. Das Vermögen im Wachstumsteil kann deshalb auch in Aktien investiert werden.

Ältere Erwerbstätige und Pensionierte schrecken allerdings oft davor zurück, Geld in Aktien zu investieren. Sie gehen davon aus, dass ihr Anlagehorizont zu kurz sei, um vorübergehende Schwankungen aussitzen zu können. Tatsache ist: Die statistische Lebenserwartung für Männer und Frauen beträgt nach der ordentlichen Pensionierung rund 19 respektive 20 Jahre. Viele haben also genügend Zeit, um zwischenzeitliche Kursrückschläge verkraften zu können.

Fast immer positiv

Mit einer langen Haltedauer vermindert sich zudem das Risiko eines Verlustes. Wer Schweizer Aktien zwischen 1988 und 2015 während zehn Jahren hielt, erzielte mit Ausnahme zwischen 1999 und 2008 immer eine positive Rendite. Die höchste erreichte Rendite bei einer Haltedauer von zehn Jahren betrug jährlich 21 Prozent, die tiefste minus 0,5 Prozent pro Jahr. Zwischen 2006 und 2015 betrug die jährliche Rendite 4,4 Prozent.

Die Aktienquote hängt jeweils davon ab, wie stark eine Person auf das Einkommen aus dem Vermögen angewiesen ist. Je grösser die Abhängigkeit, umso weniger Risiken sollten eingegangen werden. Hier fällt die Aktienquote nach der Pensionierung in der Regel tiefer aus.