Aktien bleiben weiterhin attraktiv

Basler Zeitung, 7.1.2016

Von Lars Loleit, Anlage-Experte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Ein Ausblick auf das Börsenjahr 2016.

Im Dezember hat die US-Notenbank Fed die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren gewagt. Vor dem Hintergrund einer robusten Konjunktur hat sie den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben.

Die Investoren spekulieren jetzt, wie schnell das Fed seine ultraexpansive Geldpolitik weiter zurückfahren wird, und wie sich diese geldpolitische Wende auf die Finanzmärkte auswirkt.

Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet 2016 zwei Zinsschritte, während das Fed von vier Zinsschritten ausgeht. Erfahrungsgemäss dürften die Spekulationen über die  weitere Zinsentwicklung die Kurse von US-Aktien in den kommenden Monaten  belasten. Mittelfristig dürfte sich die robuste Konjunktur aber in den Aktienkursen niederschlagen, sodass ein Einstieg im Laufe des Jahres attraktiv erscheint.

In der Eurozone dürfte die Wirtschaft weiter wachsen, auch dank der lockeren Geldpolitik, welche die Europäische Zentralbank voraussichtlich bis im März 2017  fortsetzt. Zusammen mit der günstigen Bewertung erscheinen europäische Aktien  daher attraktiv.

Auch die Schweizer Wirtschaft sollte von der positiven Entwicklung in der Eurozone  profitieren, und der Aufwertungsdruck auf den Franken dürfte etwas abnehmen. Das  würde vor allem Aktien von kleineren und mittleren Unternehmen stärken, während  das Kurspotenzial von Grosskonzernen limitiert ist.

Ein genereller Aufwärtsdruck

Anleger haben sich an sinkende Anleihenzinsen gewöhnt. Jetzt könnten die Zinsen  erstmals seit Langem steigen. Die beginnende monetäre Straffung löst an den  Zinsmärkten einen generellen Aufwärtsdruck aus. Dieser Trend hat sich schon in den  letzten Monaten abgezeichnet und dürfte sich fortsetzen.

Sichtbar gestiegen sind die kurzfristigen Zinsen, zum Beispiel für zweijährige  US-Staatsanleihen, die den höchsten Stand seit 2010 erreicht haben. Auch das lange  Ende der Zinskurven dürfte in Bewegung geraten, wobei der langfristige Konjunkturausblick dem Aufwärtstrend noch entgegenwirkt.

Selbst ein leichter Aufwärtsdruck würde die Kurse von Anleihen stark belasten. Anleger sollten darum Obligationen generell mit Zurückhaltung begegnen. Obwohl die  Geldpolitik in Europa expansiv bleibt, werden sich die Zinsen auch hier allmählich anpassen. Bei Schweizer Zinswerten, deren Verfallsrendite bis in lange Laufzeiten  negativ sind, können steigende Zinsen zu hohen Kursverlusten führen. Das hat sich im Dezember bereits deutlich gezeigt.

In einem Umfeld steigender Zinsen ist es sinnvoll, auf kürzere Laufzeiten und wenig  zinssensitive Anlageklassen zu setzen. Dazu zählen Unternehmensanleihen, die  zulasten von Staatsanleihen übergewichtet werden sollten. Etwas Vorsicht gilt bei  Anleihen von US-Unternehmen: Höhere Kreditkosten belasten Unternehmen, die sich  hoch verschuldet haben.

Hochverzinsliche Anleihen aus den USA entwickeln  sich in Phasen steigender Zinsen in der Regel relativ gut. In diesem Segment befinden sich zwar viele Emittenten, die unter den tiefen Rohstoffpreisen leiden, aber die Chancen auf eine Mehrrendite bleiben intakt. Für die Beimischung von Wandelanleihen sprechen die tiefe  Zinssensitivität und die Chance auf Kursgewinne, wenn die Aktienkurse steigen.

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