Viele Pensionskassen müssen ihre Renten noch stärker senken

gourmet, 10.7.2015

Von Simon Baltensperger, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum

Die Negativzinsen zwingen viele Pensionskassen dazu, ihre Umwandlungssätze rascher und stärker zu senken. Lesen Sie hier, wie Sie die drohende Rentenkürzung umgehen können.

Der gesetzliche Umwandlungssatz für Pensionskassenrenten beträgt heute 6,8 Prozent. Damit müssen Pensionskassen die obligatorischen Altersguthaben in Renten umrechnen. Angesichts der steigenden Lebenserwartung ist dieser Satz zu hoch, und mit den negativen Zinsen hat sich die Situation noch einmal zugespitzt.

Schon seit Jahren müssen sie einen Beitrag von den erwerbstätigen Versicherten abzweigen, um die Renten der Pensionierten zu finanzieren. Axa Winterthur bezifferte kürzlich den Betrag, den sie allein 2013 umverteilt hat, auf 400 Mio. Franken. 2014 waren es sogar 520 Mio. Franken. Laut Axa Winterthur entgehen jeder versicherten Person durchschnittlich 1000 Franken pro Jahr, weil ihrem Guthaben weniger Zins gutgeschrieben wird.

Im Rahmen der Reform "Altersvorsorge 2020" schlägt der Bundesrat vor, den gesetzlichen Umwandlungssatz von 6,8 auf 6 Prozent zu senken. Den Umwandlungssatz für das überobligatorische Guthaben können die Pensionskassen selber festlegen. Viele haben ihn in den letzten Jahren bereits auf unter sechs Prozent gesenkt. Die Negativzinsen zwingen nun einige Pensionskassen dazu, den Umwandlungssatz im Überobligatorium sogar auf rund fünf Prozent zu senken.

So kommen Sie einer Kürzung zuvor

Steht bei Ihrer Pensionskasse eine Senkung des Umwandlungssatzes bevor? So können Sie verhindern, dass Sie nach der Pensionierung weniger Geld zum Leben haben:

  • Wenn Sie in Pension gehen, bevor die Senkung des Umwandlungssatzes in Kraft tritt, wird Ihre Altersrente noch mit dem aktuellen Satz berechnet. Frühzeitige Rentenbezüge führen aber ebenfalls zu einer Rentenkürzung. Deshalb gilt es  genau zu prüfen, ob eine vorzeitige Pensionierung unter dem Strich zu einem höheren Einkommen im Ruhestand führt.
  • Die Rentenkürzung lässt sich mit freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse kompensieren. Diese Einkaufsbeträge können Sie vom steuerbaren Einkommen abziehen. Bei einigen Pensionskassen sind freiwillige Einzahlungen für den hinterbliebenen Ehe- oder Lebenspartner jedoch verloren, wenn der Versicherte vor der Pensionierung stirbt. Ein Kapitalverlust droht auch, wenn die Pensionskasse in eine erhebliche Unterdeckung rutscht und der Arbeitgeber in so einer Situation restrukturiert, Konkurs geht oder einen grossen Teil seiner Angestellten entlässt.
  • Wer sein Pensionskassen-Guthaben oder einen bedeutenden Teil davon bei der Pensionierung auszahlen lässt, kann einer Senkung des Umwandlungssatzes gelassen entgegensehen. In diesem Fall ist  es aber wichtig, die Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen.
  • Prüfen Sie auch die Möglichkeit einer sogenannten Teilpensionierung. Wer zum Beispiel mit 63 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 50 Prozent reduziert, kann bei den meisten Pensionskassen bereits dann die Hälfte seiner Altersrente zum aktuellen Umwandlungssatz beziehen. Mit 65 können Sie das restliche Guthaben auszahlen lassen oder es zum tieferen Umwandlungssatz ebenfalls als  Rente beziehen.

Diese Seite teilen