Verunsicherte Pensionierte

Basler Zeitung, 3.12.2015

Von Michael Fuss, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Geplante Einschränkung beim Kapitalbezug des PK-Guthabens 

Über das gesamte Erwerbsleben hinweg sammelt sich in der Pensionskasse ein beachtliches Guthaben an. Bei der Pensionierung steht man vor der Wahl, dieses Guthaben als lebenslange Rente zu beziehen oder sich mindestens einen Teil davon auszahlen zu lassen. Heute schreibt das Gesetz allen Pensionskassen vor, dass sie ihren Versicherten auf deren Wunsch mindestens 25 Prozent des obligatorischen Altersguthabens auszahlen müssen. Bei vielen Pensionskassen können die Versicherten frei wählen, welchen Anteil ihres Guthabens sie als Rente und als Kapital beziehen möchten. Sie können sich also auch 50 Prozent oder das gesamte Guthaben auszahlen lassen.

Der Bundesrat hat letzte Woche bekannt gegeben, dass er den Kapitalbezug des obligatorischen Guthabens bei der Pensionierung und bei Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit verbieten oder auf maximal die Hälfte des Guthabens beschränken möchte. Kapitalauszahlungen erhöhen seiner Meinung nach das Risiko, dass Versicherte im Vorsorgefall nicht mehr über genügend Renteneinkommen verfügen und auf staatliche Ergänzungsleistungen angewiesen sind.

Überobligatorische Guthaben

Nicht betroffen von der geplanten Einschränkung wären die überobligatorischen Guthaben. Diesen Teil des Alterskapitals könnten sich die Versicherten weiterhin vollumfänglich auszahlen lassen. Bei Versicherten mit überdurchschnittlichen Löhnen macht das überobligatorische Altersguthaben oft einen grossen Teil des angesparten Kapitals aus. Jeder Versicherte kann in seinem persönlichen Vorsorgeausweis der Pensionskasse nachlesen, wie sich sein Altersguthaben zusammensetzt.

Das obligatorische Guthaben wird darin häufig als «Altersguthaben gemäss BVG» bezeichnet. Das gesamte Guthaben abzüglich das BVG-Guthaben ergibt das überobligatorische Alterskapital.

Renten werden kleiner

Der Entscheid, ob man sich sein Pensionskassenguthaben bei der Pensionierung auszahlen lässt oder als Rente bezieht, wirkt sich auf die Höhe und Sicherheit des Einkommens aus. Ebenfalls Auswirkungen hat der Entscheid auf die finanzielle Flexibilität, die Steuerrechnung und die Absicherung der Angehörigen. Viele wählen den Kapitalbezug, weil er auf Dauer steuerlich attraktiver ist als die Rente, die Hinterbliebenen oft besser abgesichert sind und die Renten, die man für das angesparte Altersguthaben erhält, ohnehin je länger, je kleiner werden. Im Rahmen der Reform «Altersvorsorge 2020» soll der gesetzliche Umwandlungssatz von 6,8 auf sechs Prozent gesenkt werden. Den Umwandlungssatz für das überobligatorische Guthaben haben etliche Pensionskassen in den letzten Jahren bereits auf unter sechs Prozent gesenkt, und weitere Senkungen von teilweise bis auf fünf Prozent sind beschlossen.

Kapitalbezüger sind auf ein langfristig sicheres Einkommen aus ihrem Vermögen angewiesen. Darum sollte das ausbezahlte Pensionskassenguthaben so angelegt werden, dass es im Fall einer Krise an den Finanzmärkten gegen grosse Verluste geschützt ist. Das lässt sich mit einem intelligenten Risikomanagement erreichen, das in extremen Marktsituationen schnell eingreift und die Risiken im Portfolio reduziert.

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