Vermögen für einen guten Zweck einsetzen

Basler Zeitung, 17.12.2015

Von Philipp Burla, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Wer zu Lebzeiten Weichen stellt, hat die freie Wahl

Wer spendet, tut damit nicht nur Gutes, sondern spart auch Steuern. Vermögen, das man zu Lebzeiten an eine gemeinnützige Organisation weitergibt, darf man vom steuerbaren Einkommen abziehen. Vermögende Personen sparen mit Schenkungen zu Lebzeiten zusätzlich Vermögenssteuern. Je nach Einkommen, Vermögen und gespendetem Betrag reduziert sich die Steuerrechnung beträchtlich. Diese Steuerersparnis entfällt ganz, wenn man den gleichen Betrag für eine Zuwendung nach seinem Tod reserviert. Angenommen, jemand möchte in seinem Testament ein Hilfswerk mit 100 000 Franken begünstigen. Überweist er diesem Hilfswerk stattdessen in den nächsten zehn Jahren jedes Jahr 10 000 Franken, spart er bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent jedes Jahr 3000 Franken allein an Einkommenssteuern. Das entspricht einer Steuerersparnis von 30 000 Franken in zehn Jahren. Man kann seine Spende also sozusagen auf Kosten des Fiskus erhöhen, indem man den gesparten Steuerbetrag dem Hilfswerk überweist.

Bei der direkten Bundessteuer und bei den Staatssteuern im Kanton Basel- Stadt wie auch in den meisten anderen Kantonen darf man Spenden an gemeinnützige Institutionen im Umfang von bis zu 20 Prozent des Reineinkommens in Abzug bringen, im Kanton Basel-Landschaft sogar unbeschränkt. Steuerlich abzugsfähig sind nur Spenden an Hilfswerke, die auf der kantonalen Liste der steuerbefreiten Organisationen aufgeführt sind. Wer einen grösseren Betrag für einen guten Zweck einsetzen möchte, kann auch eine eigene gemeinnützige Stiftung gründen. Eine Stiftung kann man schon zu Lebzeiten errichten oder durch eine Verfügung von Todes wegen begründen, also durch ein Testament oder einen Erbvertrag. Viele Stifter bevorzugen eine Mischform: Sie errichten ihre Stiftung zu Lebzeiten und statten sie mit dem Mindestkapital von 50 000 Franken aus, um die Beurkundungs- und Notariatskosten tief zu halten. Anschliessend stocken sie das Stiftungskapital Jahr für Jahr auf und verfügen in ihrem letzten Willen, dass aus dem Nachlass weitere Vermögenswerte in die Stiftung fliessen. Während man sein Vermögen zu Lebzeiten frei verteilen kann, muss man beim Vererben allfällige Pflichtteile der Erben wahren.

Stiftungszweck gut überlegen

Damit eine Stiftung von der Steuerpflicht befreit wird, muss sie einen anerkannten gemeinnützigen Zweck verfolgen. Diese Anforderung ist nur dann erfüllt, wenn die Leistungen einem offenen Kreis von Empfängern zugutekommen und der Stifter keine Ausschüttungen erhält. Der Stiftungszweck will wohlüberlegt sein, denn er lässt sich später fast nicht mehr ändern. Er sollte weder zu weit noch zu eng gefasst sein, damit die Stiftung ihren Fokus bei Bedarf ohne grossen Aufwand anpassen oder erweitern kann.

Die Überschreibung von Vermögen auf eine Stiftung kann man nicht widerrufen. Wer einen Teil seines Vermögens schon zu Lebzeiten weitergeben möchte, sollte über eine solide Finanzplanung verfügen, damit er langfristig genug Geld für seine Lebenshaltung zur Verfügung hat.

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