Unerwünschte Umverteilung in der Pensionskasse

Der Schweizerische Hauseigentümer, 15.10.2015

Von Simon Tellenbach, Pensionskassenspezialist beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Vorsorge - Weil die gesetzlich garantierten Renten zu hoch sind, müssen viele Pensionskassen einen Betrag von den Zinserträgen auf den überobligatorischen PK-Guthaben der Erwerbstätigen abzweigen

Die Pensionskassen müssen schon seit Jahren einen Beitrag von den erwerbstätigen Versicherten abzweigen, um die gesetzlichen Renten der Pensionierten zu finanzieren, die angesichts der steigenden Lebenserwartung und tiefen Zinsen zu hoch sind. Der gesetzliche Umwandlungssatz für obligatorische Altersguthaben beträgt heute 6,8 Prozent. Pensionskassen müssen eine Rendite von rund 4,5 Prozent pro Jahr erwirtschaften, damit sie diese gesetzlich garantierten Renten finanzieren können. Bei den anhaltend tiefen Zinsen ist das für viele Pensionskassen ein unrealistisches Ziel.

Kadermitarbeiter zahlen am meisten

Erwirtschaftet eine Pensionskasse 4 Prozent Rendite, muss sie für einen pensionierten Versicherten rund 25'000 Franken umverteilen, wenn seine mit 6,8 Prozent berechnete und lebenslang garantierte Rente 20'000 Franken pro Jahr beträgt. Diese als Pensionierungsverlust bezeichnete Summe zweigt sie zu einem grossen Teil von den Zinserträgen auf dem überobligatorischen Kapital der erwerbstätigen Versicherten ab. Je weniger Rendite die Pensionskasse erwirtschaftet, desto höher fällt dieser Verlust aus, den die erwerbstätigen Versicherten finanzieren müssen. Wenn eine Pensionskasse nur 3 Prozent Rendite erzielt, beläuft sich der Pensionierungsverlust auf etwa 60'000 Franken pro Pensionierten. Diese Umverteilung geht vor allem zulasten der Versicherten mit hohen überobligatorischen PK-Guthaben, also vor allem der Kadermitarbeiter.

Pensionskasse in Basis- und Kadervorsorge aufteilen

Unternehmen können ihre leitenden Angestellten vor der Umverteilung ihrer Guthaben zugunsten anderer Versicherter schützen, indem sie die Pensionskasse in eine Basis- und eine Kadervorsorge bei verschiedenen Sammelstiftungen aufteilen. Wird die Kadervorsorge bei einer Sammelstiftung geführt, die nur Lösungen für den überobligatorischen Bereich inbietet, ist eine Umverteilung des Ertrags ausgeschlossen.

Die Zusatz-Pensionskasse versichert idealerweise den Anteil des Jahreslohnes, der 126'900 Franken übersteigt. Dann können die Versicherten die Anlagestrategie für dieses Guthaben im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben selber wählen und auch selber bestimmen, ob sie das Guthaben in aktive oder passive Anlageinstrumente investieren möchten. Der gesamte Nettoerfolg der Anlagen wird ihrem persönlichen Guthaben gutgeschrieben. Im Gegenzug verzichten sie auf eine Zinsgarantie.

Versicherte entscheiden selbst, wie viel sie einzahlen

Viele Kadermitarbeiter möchten möglichst viel in die Pensionskasse einzahlen, um ihre Altersvorsorge zu verbessern und gleichzeitig Steuern zu sparen. Moderne Vorsorge-Lösungen lassen den Mitarbeitern deshalb die Wahl, wie hoch ihr Sparbeitrag sein soll, der direkt vom Lohn abgezogen und in die Pensionskasse eingezahlt wird. Ein Unternehmen kann bis zu drei unterschiedliche Sparbeiträge anbieten. So können die Kadermitarbeiter selbst entscheiden, ob sie zum Beispiel insgesamt 17, 21 oder 25 Prozent des versicherten Lohnes einzahlen. Der Anteil des Arbeitgebers muss mindestens 50 Prozent betragen und in allen Plänen gleich hoch sein. Der tiefste Sparbeitrag darf nicht kleiner sein als zwei Drittel des höchsten Sparbeitrags.

Vorsorge-Lösungen vergleichen

Mit der Wahl der richtigen Sammelstiftung für ihre Kadervorsorge können sowohl Unternehmen als auch Versicherte viel Geld sparen. Bei den Kosten für die Verwaltung und die Risikoleistungen bei Invalidität und Tod sind Unterschiede von mehr als 30 Prozent keine Seltenheit - bei gleichwertigen Leistungen. Eine moderne Kadervorsorge in Ergänzung zu einer bestehenden Vorsorgelösung kann jederzeit eingerichtet werden, da die bestehende Lösung nicht gekündigt werden muss. 

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