Tücken beim Schenken

Basler Zeitung, 18.6.2015

Von Thomas Muggler, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum Basel und Rheinfelden

Hausbesitzer wollen ihre Immobilie häufig schon zu Lebzeiten ihren Erben überschreiben. Sie vermindern damit zum Beispiel die Erbschaftssteuern für die Begünstigten oder senken ihre eigenen Einkommens- und Vermögenssteuern.

Oft ist mit einer Schenkung eine Gegenleistung verbunden: Der Beschenkte muss die Hypothek übernehmen und dem Schenker allenfalls ein lebenslanges Wohn- oder Nutzniessungsrecht einräumen. In so einem Fall spricht man von einer gemischten Schenkung.

Ist die Gegenleistung im Verhältnis zum Wert der Liegenschaft zu hoch, bewerten die Steuerbehörden den Vermögensübergang nicht mehr als Schenkung, sondern als gewöhnlichen Verkauf. Das hat zur Folge, dass Grundstückgewinnsteuern fällig werden und je nach Kanton  Handänderungssteuern.

Als gemischte Schenkung gilt im Kanton Basel-Stadt ein Rechtsgeschäft, bei dem die Gegenleistung geringer ist als der Vermögenssteuerwert der Liegenschaft. Wenn das nicht der Fall ist, sollte der Schenker vor der Übertragung der Liegenschaft die Hypothek reduzieren oder das  Nutzniessungs- oder Wohnrecht zeitlich befristen, wodurch der kapitalisierte Wert dieses Nutzungsrechts sinkt.

Im Kanton Baselland fallen Grundstücks- und Handänderungssteuern an, wenn die Gegenleistung grösser ist als die indexierten Gestehungskosten des Schenkers. Der Kanton Solothurn setzt die Grenze für die maximale Gegenleistung wie die meisten Kantone bei 75 Prozent des Liegenschaftswerts an.

Eine Schenkung, die einzelne Erben bevorzugt, kann den sozialen Frieden in der Familie gefährden. Gesetzliche Erben müssen Schenkungen bei der Erbteilung wieder  ausgleichen. Das bedeutet: Sie müssen sich die Zuwendung an ihren Erbteil anrechnen lassen. Wie viel ausgeglichen werden muss, hängt vom Wert der Schenkung zum Zeitpunkt des Erbgangs ab. Steigt der Wert der Liegenschaft bis zum Tod des Schenkers von einer auf 1,5 Millionen Franken, muss sich der Beschenkte 1,5 Millionen an seinen Erbteil anrechnen lassen.

Übersteigt die Zuwendung den Erbteil, muss er seinen Miterben die Differenz sogar zurückzahlen. Diese  Ausgleichszahlung kann ihn in grosse Schwierigkeiten bringen und im schlimmsten Fall dazu führen, dass er die Liegenschaft verkaufen muss.

Erbvertrag ist verbindlich

Der Schenker kann den Begünstigten in seiner letztwilligen Verfügung von der Ausgleichspflicht befreien. Allerdings ist dies nur im Rahmen der freien Quote möglich; die gesetzlichen Pflichtteile müssen in jedem Fall gewahrt bleiben. Am  besten regeln die Parteien in einem öffentlich beurkundeten Erbvertrag verbindlich, ob beziehungsweise in welchem  Umfang bei der Erbteilung ein Ausgleich stattfinden soll.

Eine Schenkung kann die finanzielle Unabhängigkeit des Schenkers gefährden. Schenkende brauchen darum eine solide  Finanzplanung, die aufzeigt, ob das nötige Einkommen trotz der Schenkung bis ins hohe Alter gesichert ist. Bei jeder  grösseren Schenkung ist es zudem ratsam, die bestehende Nachlassregelung zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

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