Tipps für das Testament

Basler Zeitung, 19.11.2015

Von Daniel Saladin, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Was es am letzten Willen zu beachten gilt

Wer ein Testament eigenhändig verfasst, muss darauf achten, dass es die gesetzlichen Formvorschriften erfüllt. Das Testament muss von Anfang bis Ende von Hand geschrieben, datiert und unterschrieben sein. Ist ein Teil auf dem Computer oder von jemand anderem geschrieben, ist mindestens dieser Teil ungültig. Ungültig sind auch Testamente, die Ehepartner gemeinsam verfassen und unterzeichnen. Jeder Ehepartner muss je ein eigenes Testament aufsetzen.

Das Testament sollte von den Erben möglichst nicht anfechtbar sein. Verstösst der Erblasser zum Beispiel gegen Pflichtteile, können die benachteiligten Erben eine sogenannte Herabsetzungsklage einreichen, damit sie den Anteil am Erbe erhalten, der ihnen nach dem Gesetz mindestens zusteht.

Viele Ehepaare wollen sich gegenseitig so weit als möglich begünstigen. Erhält der überlebende Partner nur das, was ihm nach dem Gesetz zusteht, gerät er unter Umständen finanziell in Bedrängnis und muss das gemeinsame Eigenheim verkaufen. Je nach Zusammensetzung des ehelichen Vermögens lässt sich das besser mit einem Ehevertrag oder Erbvertrag verhindern als mit einem Testament, oder es drängt sich eine Kombination auf.

Nicht vergessen zu regeln sollte man auch den Fall, dass der hinterbliebene Ehepartner wieder heiratet. Sonst kann ein grosser Teil des Vermögens später an die Familie des neuen Ehepartners übergehen.

Mit Vorteil bestimmt man in seinem Testament auch, wer welche Vermögensteile aus dem eigenen Nachlass erhalten soll. Fehlen solche Teilungsvorschriften, müssen die Erben untereinander ausmachen, wie sie den Nachlass aufteilen. Das kann die Erbteilung langwierig, aufreibend und teuer machen - insbesondere wenn Liegenschaften im Nachlass enthalten sind.

Für jeden Erben lassen sich sogenannte Ersatzerben bestimmen für den Fall, dass ein Erbe vor dem Verfasser des Testaments stirbt. Die vom Erblasser beabsichtigten Begünstigungen können so zum Beispiel auch dann umgesetzt werden, wenn er später dement oder unzurechnungsfähig werden sollte und deshalb sein Testament nicht mehr ändern kann. In einem Testament kann man zudem nicht nur festlegen, wer das Vermögen unmittelbar erbt, sondern auch, an wen es nach dem Tod dieser Vorerben gehen soll.

Vorteil für Patchwork-Familien

Vor- und Nacherben einzusetzen kann für Patchwork-Familien eine interessante Option sein. Damit können sie sicherstellen, dass zumindest ein Teil des Vermögens, das dem überlebenden Partner vermacht wurde, nach seinem Tod zurück an die Familie des Partners geht, der zuerst gestorben ist.

Wer ein Testament einer verstorbenen Person auffindet, ist gesetzlich verpflichtet, es der Amtsstelle zu übergeben. Diese Vorschrift nützt jedoch wenig, wenn sich der Finder nicht daran hält, weil das Testament zu seinen Ungunsten ausgefallen ist. Am besten bewahrt man sein Testament deshalb nicht zu Hause auf, sondern hinterlegt es bei der zuständigen Amtsstelle des Kantons. Im Kanton BaselStadt ist es das Erbschaftsamt, in Basellandschaft die Zivilrechtsverwaltung, im Aargau das Gerichtspräsidium und in Solothurn die Amtsschreiberei.

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