Steuern sparen bei der Pensionierung

Basler Zeitung, 6.8.2015

Von Michael Fuss, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Pensionskassengelder aufteilen und optimal beziehen

Die meisten gehen davon aus, dass sie nach der Pensionierung deutlich weniger Steuern zahlen. Die Steuerersparnis ist aber meistens viel bescheidener als erhofft. Zwar sind die Renteneinkünfte aus AHV und Pensionskasse tiefer als das Erwerbseinkommen. Dafür fallen aber viele Abzüge weg wie beispielsweise jene für die dritte Säule und die Berufsauslagen. Es lohnt sich deshalb, die steuerbaren Einkünfte und das steuerbare Vermögen im Hinblick auf die Pensionierung zu optimieren. Mit einer frühzeitigen Planung lässt sich die Steuerbelastung deutlich reduzieren.

Einen grossen Einfluss auf die Steuerbelastung nach der Pensionierung hat der Entscheid, ob man sein Pensionskassenguthaben ganz oder teilweise auszahlen lässt oder als Rente bezieht. Der Kapitalbezug ist auf Dauer steuerlich häufig attraktiver - vorausgesetzt, das Kapital ist steueroptimiert angelegt. Für oder gegen die Rente sollte man sich aber nie allein aus steuerlichen Gründen entscheiden. Wichtiger ist in der Regel die finanzielle Absicherung des Pensionierten und seiner Hinterbliebenen.

Mehrere Tausend Franken spart in der Regel, wer sich seine Guthaben aus Pensionskasse, Freizügigkeitseinrichtungen und Säule 3a über mehrere Jahre verteilt auszahlen lässt. Für die Berechnung der Auszahlungssteuern zählen die Steuerbehörden nämlich alle Bezüge eines Jahres zusammen, abgesehen von Basel-Stadt und Basel-Landschaft in den meisten übrigen Kantonen auch die des Ehepartners. Je höher die Bezüge in einem Kalenderjahr sind, desto höher ist auch die prozentuale Steuerbelastung. Nach Möglichkeit verteilt man die Bezüge also besser auf mehrere Steuerperioden. 3 a-Guthaben darf man bis zu fünf Jahre vor dem regulären AHV-Alter auszahlen lassen. Das Gleiche gilt für Guthaben auf Freizügigkeitskonten oder -policen. Bei den meisten Freizügigkeitsstiftungen kann man das Guthaben auch erst im Rentenalter beziehen. Männer dürfen den Bezug dann bis höchstens 70 aufschieben, Frauen bis 69. Wer über das ordentliche Rentenalter hinaus erwerbstätig bleibt, darf auch den Bezug des 3a-Guthabens um bis zu fünf Jahre aufschieben.

Das grösste Sparpotenzial bieten in der Regel gestaffelte Bezüge des Pensionskassenguthabens. Wer zum Beispiel mit 63 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 50 Prozent reduziert, kann sich bei vielen Pensionskassen die Hälfte seines Altersguthabens bereits dann auszahlen lassen. Auch die Aufteilung in eine Basis-Pensionskasse und eine separate Zusatz-Pensionskasse für Kadermitarbeitende eröffnet Spielraum für einen gestaffelten Bezug.

Bei jedem Austritt aus einer Pensionskasse sollte man prüfen, ob sich mindestens ein Teil des Altersguthabens auf zwei Freizügigkeitskonten transferieren lässt. Das ist häufig dann der Fall, wenn man sich selbstständig macht, die Erwerbstätigkeit vorübergehend aufgibt oder den Arbeitgeber wechselt und die Leistungen der neuen Pensionskasse schlechter sind als zuvor. 

Diese Seite teilen