Stellenverlust kurz vor der Pensionierung

Doppelpunkt, 05.03.2015 

Von Thomas Muggler, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum Basel

Wer in die Frühpensionierung entlassen wird, muss dafür sorgen, dass das Einkommen im Ruhestand nicht allzu sehr sinkt. Es lohnt sich, alle Optionen für das Pensionskassenguthaben sorgfältig zu prüfen.

Unternehmen bauen häufig Stellen ab, indem sie ältere Mitarbeiter in die Frühpension entlassen. Ein Jobverlust wenige Jahre vor der Pensionierung wiegt schwer, wenn man keinen neuen Arbeitsplatz mehr findet. Die Betroffenen müssen wichtige Entscheide fällen, damit sich ihre Einkommenseinbusse im Ruhestand verkleinert.

Der wichtigste Entscheid betrifft das Pensionskassenguthaben. Bei vielen Pensionskassen liegt das frühste mögliche Pensionsalter bei 58 oder 60 Jahren. Wer zum Zeitpunkt der Kündigung dieses Alter erreicht hat, kann zwischen einer vorzeitigen Altersleistung und einer Austrittsleistung wählen. Wenn man Pensionskassenleistungen vorzeitig bezieht, fällt die Rente kleiner aus. Die meisten Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionierten um fünf bis sieben Prozent pro Vorbezugsjahr. Ein Versicherter, der mit 60 statt 65 in Rente geht, erhält folglich 25 bis 35 Prozent weniger Rente. Bei einem vorzeitigen Bezug des Pensionskassenkapitals oder der Rente fallen auch die Taggelder der Arbeitslosenversicherung tiefer aus, weil sie die Arbeitslosenkasse als Einkommen anrechnet.

Entscheidet sich der Versicherte für die Austrittsleistung, muss er der Pensionskasse in der Regel schriftlich bestätigen, dass er weiterhin erwerbstätig sein möchte, oder ihr eine Bestätigung vorlegen, dass er bei der Arbeitslosenkasse angemeldet ist. Anschliessend kann er sein Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto oder eine Freizügigkeitspolice überweisen lassen. Wer diese Option wählt und keinen neuen Arbeitsplatz mehr findet, verzichtet allerdings definitiv auf die Möglichkeit, von der Pensionskasse eine Rente zu beziehen. Bei einer Freizügigkeitsstiftung lässt sich das Guthaben nicht als Rente, sondern nur als Kapital auszahlen. Dafür kann man den Bezug des Guthabens bis siebzig aufschieben (Frauen bis 69), was aus steuerlichen Gründen oft sinnvoll ist. Die Zinsen und Dividendenerträge auf Freizügigkeitskonten muss man nämlich nicht als Einkommen versteuern, das Guthaben nicht als Vermögen.

Wer sich die Option des Rentenbezugs offenhalten will, kann sein Geld an die Stiftung Auffangeinrichtung «BVG» des Bundes überweisen oder mit dem ausbezahlten Guthaben bei einem Versicherer eine Leibrente kaufen. Die Auffangeinrichtung richtet nur Renten für das obligatorische Pensionskassenkapital aus, überobligatorisches Guthaben zahlt auch sie nur als Kapital aus. Und man muss sich innert 90 Tagen seit der Erwerbsaufgabe bei dieser Einrichtung anmelden.

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