So lässt sich das Erbe schützen

Basler Zeitung, 23.07.2015 

Von Philipp Burla, Nachlassexperte VZ VermöensZentrum Basel

Das Erbrecht schreibt vor, dass bestimmte Personen einen Mindestanteil am Erbe erhalten, den so genannten Pflichtteil. Zu den pflichtteilsgeschützten Erben gehören der Ehepartner und die Nachkommen (Kinder, Enkel, Urenkel). Wenn keine Nachkommen da sind, haben auch die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil. Der Ehepartner und die Eltern bekommen mindestens die Hälfte dessen, was ihnen gemäss gesetzlicher Erbfolge zusteht. Der Pflichtteil der Nachkommen beträgt drei Viertel ihres gesetzlichen Erbanspruchs.

Pflichtteile lassen sich nur in sehr seltenen Fällen rechtsgültig umgehen, beispielsweise wenn der Erbe gegen den Erblasser beziehungsweise gegen eine ihm nahe stehende Person eine schwere Straftat begangen oder wenn er gesetzliche Unterstützungspflichten missachtet hat. Kein Grund zur Enterbung ist aber, wenn der Erbe bloss moralische Familienpflichten verletzt hat, also beispielsweise den Kontakt zu den Eltern abgebrochen hat. Pflichtteile können nicht nur durch testamentarische Anordnungen verletzt sein, sondern zum Beispiel auch durch Erbvorbezüge oder Schenkungen, die der Verstorbene bereits zu Lebzeiten getätigt hat.

Ein Erbe muss sich auch nicht damit abfinden, dass sein pflichtteilsgeschütztes Erbe mit Auflagen oder Bedingungen belastet ist. Ein Erblasser darf seiner Tochter etwa nicht vorschreiben, dass sie das geerbte Haus nicht verkaufen darf, wenn sie die Liegenschaft innerhalb ihres Pflichtteils erhält. Übersteigt der Wert des Hauses den Pflichtteil, kann die Tochter das Haus trotzdem verkaufen, solange niemand gerichtlich dagegen vorgeht. Generell ungültig sind unsinnige, unmögliche oder gesetzwidrige Auflagen, die an ein Erbe geknüpft werden.

Schnelles Handeln

Wer der Ansicht ist, dass seine Erbrechte verletzt worden sind, kann das Testament anfechten. Es empfiehlt sich, möglichst rasch zu handeln - am besten, noch bevor ein Erbschein ausgestellt ist und die Erben Zugriff auf die Erbschaft erhalten. Natürlich kann man auch später noch recht bekommen. Haben Erben aber das Geld bereits ausgegeben, kann ihnen keine Bereicherung vorgeworfen werden - sofern sie nicht wissen konnten, dass dadurch Pflichtteile verletzt wurden.

Befürchtet ein Erbe, dass jemand Vermögen des Verstorbenen auf die Seite schafft, kann er ein Sicherungsinventar verlangen. Einige Kantone sehen auch die Möglichkeit einer Siegelung vor. Das bedeutet etwa, dass die Behörden Konten sperren oder Schlüssel an sich nehmen. Wer eine Sicherung oder Siegelung verlangt, sollte bedenken, dass dies beträchtliche Kosten nach sich ziehen kann. Bis die Sicherungsmassnahmen greifen, kann zudem einige Zeit verstreichen. Die Erben sollten deshalb selbst alles Notwendige veranlassen, damit nichts unrechtmässig verschoben werden kann. 

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