Schweizer Staatsanleihen mit hohem Zinsrisiko

Basler Zeitung, 23.04.2015

Von Oliver Cazzonelli, Anlageexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Bei einem Zinsanstieg drohen deutliche Kursverluste.

Schweizer Staatsanleihen gelten als ausfallsichere Anlage, die das Kapital schützen. Die von den Notenbanken verursachte Geldschwemme fliesst des-
halb zu einem beträchtlichen Teil in die sogenannten Eidgenossen. Diese grosse Nachfrage nach Schweizer Staatsanleihen hat ihre Kurse seit der Finanzkrise kräftig nach oben getrieben. Ihre Renditen notieren aktuell über alle Laufzeiten bis zu 15 Jahren im negativen Bereich.

Das absehbare Ende der Tiefzinspolitik der US-Notenbank und anderer Zentralbanken wird das Zinsniveau mittelfristig wieder auf ein höheres Niveau
führen. Steigende Zinsen gehen einher mit sinkenden Anleihenkursen, weil die Anleger Titel mit tiefem Coupon durch neu aufgelegte Anleihen mit höherem Coupon ersetzen. Schweizer Obligationen sind von diesem Zinsrisiko speziell betroffen, weil bei ihnen andere Risikofaktoren wie die Gefahr eines Staatsbankrotts vernachlässigbar sind.

Der Effekt von steigenden Zinsen auf die Kurse ist desto ausgeprägter, je länger die Laufzeit einer Obligation ist. Um Kursverluste zu vermeiden, sollten Anleger Schweizer Staatsobligationen mit langer Restlaufzeit deshalb meiden. Eine Alternative stellen Eidgenossen mit einer Restlaufzeit von ein bis drei Jahren oder in Schweizer Franken aufgelegte Anleihen europäischer Unternehmen mit guter Bonität dar. Ihre Kurse dürften nicht so stark unter einem Anstieg des Zinsniveaus leiden.

Der Zinsunterschied europäischer Unternehmensanleihen in Schweizer Franken zu Schweizer Staatsanleihen beträgt rund 0,8 Prozentpunkte. Ihre
Rendite ist höher als jene von Staatspapieren, weil auch ihr Ausfallrisiko höher ist. Es scheint bei Schuldnern mit guter Bonität allerdings tragbar, weil die
Unternehmen ihre Bilanzen gefestigt haben und die Ausfallraten tief liegen.

Aktien nicht vergessen

Eine weitere Alternative sind ausländische Staatsanleihen von Top-Schuldnern, beispielsweise US-Papiere, die Treasuries genannt werden. Mit
Anleihen in Fremdwährungen geht der Anleger allerdings ein Währungsrisiko ein. Währungsverluste können die Rendite für Schweizer Anleger schnell
zunichtemachen.

Für die Investition in ausländische Anleihen empfehlen sich deshalb währungsabgesicherte aktive Fonds oder ETF. An der Schweizer Börse sind eine ganze Reihe von Anleihen-ETF in Fremdwährungen erhältlich, welche die Währungsschwankungen gegenüber dem Schweizer Franken absichern. Eine weitere Alternative sind Wandelanleihen. Sie profitieren von einem allfälligen weiteren Anstieg der Aktienkurse und reagieren weniger sensitiv auf Zinsschwankungen.

Und nicht zuletzt sollte man sich als Anleger fragen, ob die Aktienquote der persönlichen Risikotoleranz entspricht. Wer einen langen Anlagehorizont hat, kann einen beträchtlichen Teil seiner Investitionen in Aktien tätigen, beispielsweise in Papiere solider Unternehmen mit attraktiver Dividendenrendite.

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