Schutz vor grossen Verlusten ist möglich

Geld anlegen, 24.04.2015

Von Karl Flubacher, Niederlassungsleiter  des VZ VermögensZentrums in Basel

Risiken sind unumgänglich, aber der Anleger sollte sich an erprobte Regeln halten.

Sparer sind bisher kaum direkt von negativen Zinsen betroffen. Allerdings sind die Zinsen auf Sparkonten so niedrig, dass Sparen unter dem Strich Geld kostet, wenn man alle Gebühren und Steuern mit einrechnet. Die meisten
Banken verzinsen Sparguthaben mit 0,1 Prozent oder noch weniger.

Sicherheitsorientierte Anleger haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, um ihre Rendite zu verbessern: Sie können die Laufzeit ihrer Anlagen verlängern oder Geld in Anlagen umschichten, die mit höheren Risiken verbunden
sind. Im aktuellen Umfeld verbessert sich die Rendite allerdings auch mit sehr langen Laufzeiten kaum.

Selbst wenn man bereit ist, Geld 10 Jahre lang fest anzulegen, bringt das praktisch nichts. Die Rendite von 10-jährigen Anleihen der Schweizerischen Eidgenossenschaft pendelt zurzeit um den Nullpunkt. Berücksichtigt man noch die Transaktion- und Depotgebühren sowie die Steuern, dann ist auch das ein klares Verlustgeschäft.

Bleibt also noch die Möglichkeit, einen Teil der Kontoguthaben oder Obligationen bester Bonität in andere Anlageklassen mit höherem Risiko wie zum Beispiel Aktien umzuschichten. Wer einen Anlagehorizont von zehn oder mehr Jahren hat, kann ein gewisses Mehrrisiko durchaus in Kauf nehmen. Voraussetzung ist aber ein intelligentes Risikomanagement, das vor grossen Verlusten schützt.

Wenn massive Verluste anfallen

An den Börsen kommt es nämlich immer wieder zu Krisen, in denen Anleger viel Geld verlieren. Als die SNB Mitte Januar den Euro-Mindestkurs aufgab, waren ausländische Titel in Schweizer Franken gerechnet auf einen Schlag bis zu 20 Prozent weniger wert. Gleichzeitig brach auch der Schweizer Aktienmarkt gemessen am Swiss Market Index SMI um rund 15 Prozent ein.

Noch mehr verloren Anleger zwischen 2000 und 2002, als die Technologieblase platzte, und in der Finanzkrise von 2008. Damals brachen die Aktienkurse um mehr als 50 Prozent ein, und auch Obligationen gerieten zum Teil sehr stark unter Druck. Massive Verluste lassen sich kaum wettmachen, wie eine einfache Rechnung zeigt: Nach einem Verlust von 33 Prozent ist eine Rendite von 50 Prozent nötig, um wieder den Ausgangswert zu erreichen. Bis es so weit ist, dauert es meistens mehrere Jahre.

Kontrolle der Risiken

Anleger können sich wirksam vor grossen Verlusten schützen, indem sie einfache Regeln befolgen. Sie sind in einen Titel investiert, solange der aktuelle Kurs dieses Titels sowohl über seinem längerfristigen als auch über seinem mittelfristigen gleitenden Durchschnittskurs liegt (z. B. der letzten 200 und der letzten 50 Tage).

Fällt der Kurs unter den gleitenden Durchschnitt, kann ein Verkauf angezeigt sein. Ein Kurs- und Zeitfilter reduziert das Risiko von Fehlsignalen: Anlagen werden nicht gleich verkauft, sobald ein Kurs unter seinen 200-Tage-Durchschnitt fällt, sondern erst dann, wenn er mehrere Tage lang darunterliegt und der Titel beispielsweise 3 Prozent tiefer gehandelt wird.

Anleger sollten zudem die Währungsrisiken ihres Wertschriftendepots reduzieren. Für eine ausreichende Diversifikation ist es sinnvoll, in in- und ausländische Titel zu investieren. Ein breit diversifiziertes Portfolio senkt das
Gesamtrisiko und bietet langfristig attraktive Renditechancen. Gleichzeitig erhöhen die Währungsrisiken aber das Gesamtrisiko des Portfolios.

Bei Anleihen in Fremdwährungen fällt das Währungsrisiko besonders stark ins Gewicht: Es macht rund 70 Prozent des Gesamtrisikos aus. Bei Aktien ist das Währungsrisiko deutlich kleiner, weil Währungsverluste teilweise kompensiert werden. Ein international tätiges Unternehmen profitiert davon, wenn die lokale Währung an Wert verliert, weil seine Güter und Dienstleistungen im Ausland günstiger werden und damit die Nachfrage steigt. Steigen die Umsätze und Gewinne, legen auch die Aktienkurse in Lokalwährung zu.

Geringere Verluste in Krisenzeiten

Die Grafiken illustrieren, wie sich zwei Depots mit einem Aktienanteil von je 45 Prozent in den drei erwähnten Krisen ab 2000 entwickelt hätten. Zwischen 2002 und 2008 wäre der Wert des passiven Vergleichsindex um bis zu 25 Prozent eingebrochen. Bei einem regelbasiert bewirtschafteten Depot auf der Basis von gleitenden Durchschnitten hätte der maximale Verlust in diesen beiden Krisen deutlich weniger als 10 Prozent betragen, wenn ein grosser Teil der Währungsrisiken abgesichert war. Und auch nach dem jüngsten Frankenschock hat dieses Depot maximal fünf Prozent an Wert verloren, gegenüber zehn Prozent beim Vergleichsindex.

Das Instrument heisst ETF

Für die Umsetzung eines regelbasierten Anlagekonzepts, das die Risiken von grossen Kursverlusten vermindert, eignen sich liquide Exchange Traded Funds (kurz ETF) am besten, weil sie kostengünstig sind und in einer Krise ein rasches Eingreifen ermöglichen. ETF sind Fonds, die an der Börse gehandelt werden und einen Index so exakt wie möglich abbilden. Ihre Gebühren sind in der Regel deutlich tiefer als jene von aktiven Fonds. Die jährlichen Verwaltungsgebühren betragen für Anleihen-ETF durchschnittlich 0,22 Prozent, für ETF auf einen Aktienindex rund 0,3 Prozent. Für einen aktiven Anlagefonds zahlt der Anleger oft 1,5 bis zwei Prozent Gebühren pro Jahr.

Gerade in Zeiten tiefer Renditen fallen die günstigen Gebühren besonders ins Gewicht. Anleger müssen bei Aktien-ETF auch nicht auf die Dividenden der Titel verzichten, in die sie investiert sind: Die ETF zahlen sie aus oder schreiben sie dem Fondsvermögen gut. Das wachsende Angebot an währungsgesicherten ETF ermöglicht Privatanlegern zudem eine internationale Diversifikation, ohne dass sie nennenswerte Währungsrisiken eingehen müssen. Für Schweizer Anleger trägt das entscheidend zu einer besseren Risikokontrolle bei.

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