Schutz vor grossen Kursverlusten

Basler Zeitung, 15.01.2015 

Von Oliver Cazzonelli, Anlageexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Gemessen am breit gefassten Schweizer Aktienindex SPI sind die Aktienkurse seit Mitte des Jahres 2011 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Je länger eine Aufwärtsphase anhält, desto kritischer schätzen viele Anleger die weiteren Aussichten für die Zukunft ein.

Sie fürchten, dass es zu einem  Kurseinbruch kommen könnte, der ihre Gewinne teilweise oder vollständig zunichte machen würde. 

Mit einem soliden Risikomanagement, das sich auf mehrere Indikatoren und Modelle stützt, kann man von steigenden Aktienkursen profitieren und ist gleichzeitig vor grossen Verlusten geschützt. Ein guter Indikator für die Verfassung der Märkte ist die Volatilität. Volatilitäts-Indizes messen, wie stark die Kurse schwanken. Steigende Volatilitätswerte zeigen eine wachsende Unruhe der Marktteilnehmer an, mit der sich das Risiko eines Kursrückschlags erhöht. In der Vergangenheit ging praktisch jeder grösseren Kurskorrektur ein deutlicher Anstieg der Volatilität voraus.

Durchschnitte zeigen Kurstrends

Anleger können zudem die Tatsache nutzen, dass sich Aktientrends in der Regel über einen gewissen Zeitraum fortsetzen. Die Stärke solcher Trends lässt sich mit gleitenden Durchschnitten messen. Solange der aktuelle Kurs eines Titels sowohl über seinem längerfristigen als auch über seinem mittelfristigen gleitenden Durchschnittskurs liegt (zum Beispiel der letzten 200 und der letzten 50 Tage), setzt sich ein positiver Markttrend normalerweise fort. Fällt der Kurs unter den gleitenden Durchschnitt, kann ein Verkauf angezeigt sein, weil sich der Trend umgekehrt haben könnte. Ein Kurs- und Zeitfilter reduziert bei dieser Methode das Risiko von Fehlsignalen: Anlagen werden nicht gleich verkauft, sobald ein Kurs unter seinen 200-Tage-Durchschnitt fällt, sondern erst dann, wenn er mehrere Tage lang darunter liegt und der Titel beispielsweise drei Prozent tiefer gehandelt wird.

Bei den beiden kräftigen Abwärtstrends des SPI seit 2000 hätten Anleger mit einer Kaufen-und-halten-Strategie zweimal mehr als 50 Prozent verloren. Ein einfaches Risikomanagement auf der Basis von gleitenden Durchschnitten hätte die Verluste auf minus 14 und minus 17 Prozent begrenzt, weil es beide Male relativ früh einen Verkauf ausgelöst hätte.

Stop-Loss-Aufträge helfen

Zusätzliche Stop-Loss-Aufträge helfen, rasch auf starke Kursänderungen zu reagieren. Fällt der Kurs unter die festgelegte Limite, wird der Titel zum besten erhältlichen Kurs verkauft. Stop-Loss-Limiten sind besonders dann interessant, wenn die Kurse steigen, aber stark schwanken: Solange ein Kurs steigt, wird die Stop-Loss-Limite laufend nachgezogen, und es passiert nichts.

Diese Limite kann zum Beispiel zehn Prozent unter dem aktuellen Kurs liegen. Bricht der Kurs aber plötzlich um mehr als zehn Prozent ein, wird der Verkaufs auftrag ausgeführt und der Gewinn realisiert. Ziehen Anleger die Stop-Loss-Limite bei einem Kursanstieg nicht laufend nach, droht bei einem Kurssturz ein Verlust der zwischenzeitlichen Gewinne.

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