Pensionskassen müssen Renten senken

Basler Zeitung, 21.05.2015

Von Karl Flubacher, Niederlassungsleiter des VZ VermögensZentrums in Basel

Der gesetzliche Umwandlungssatz für Pensionskassenrenten beträgt 6,8 Prozent. Damit müssen Pensionskassen die obligatorischen Altersguthaben in Renten umrechnen.

Angesichts der steigenden Lebenserwartung ist dieser Satz zu hoch, und mit den negativen Zinsen hat sich die Situation noch zugespitzt. Schon seit Jahren müssen die Kassen einen Beitrag von den erwerbstätigen Versicherten abzweigen, um die Renten der Pensionierten zu finanzieren. Axa Winterthur beziffert den Betrag für 2013 auf 400 Millionen Franken. 2014 waren es sogar 520 Millionen Franken. Im  Durchschnitt entgehen so jedem Versicherten 1000 Franken pro Jahr, weil ihrem Guthaben weniger Zins gutgeschrieben wird.

Im Rahmen der Reform "Altersvorsorge 2020" schlägt der Bundesrat vor, den gesetzlichen Umwandlungssatz von 6,8 auf sechs Prozent zu senken. Den Umwandlungssatz für das überobligatorische Guthaben können die Kassen selbst festlegen. Viele haben ihn zuletzt bereits auf unter sechs Prozent gesenkt. Die Negativzinsen zwingen  nun einige Pensionskassen dazu, den Umwandlungssatz für überobligatorische Guthaben in den kommenden Jahren auf rund fünf Prozent zu senken.

Angehende Pensionierte haben mehrere Möglichkeiten, eine drohende Rentenkürzung zu umgehen. Wenn man in Pension geht, bevor die Senkung des Umwandlungssatzes in Kraft tritt, wird die Altersrente noch mit dem aktuellen Satz berechnet. Frühzeitige Rentenbezüge führen aber ebenfalls zur Rentenkürzung. Deshalb gilt es genau zu prüfen, ob eine vorzeitige Pensionierung unter dem Strich zu einem höheren Einkommen im Ruhestand führt.

Wer sein Pensionskassenguthaben oder einen bedeutenden Teil davon auszahlen lässt, kann einer Senkung des Umwandlungssatzes gelassen entgegensehen. In diesem Fall ist es wichtig, die Vor- und Nachteile abzuwägen.

Freiwillige Zahlungen

Eine Rentenkürzung lässt sich mit freiwilligen Zahlungen in die Pensionskasse kompensieren. Diese Beträge lassen sich vom steuerbaren Einkommen abziehen. Einkäufe verteilt man am besten über mehrere Jahre. So spart man normalerweise in Summe mehr Steuern, als wenn man den ganzen Betrag auf einmal einzahlt. Wer sich zumindest einen Teil des Altersguthabens bei der Pensionierung ausbezahlen lassen will, muss sich spätestens drei Jahre davor einkaufen, sonst sind die Steuern nachzuzahlen, die man dank des Einkaufs gespart hat. Wer das ganze Guthaben als Rente bezieht, kann sich auch im Jahr der Pensionierung noch einkaufen.

Prüfen sollte man auch die Möglichkeit einer sogenannten Teilpensionierung. Wer mit 63 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 50 Prozent reduziert, kann bei den meisten Pensionskassen bereits dann die Hälfte seiner Altersrente zum aktuellen Umwandlungssatz beziehen. Mit 65 kann man das restliche Guthaben auszahlen lassen oder es zum tieferen Umwandlungssatz ebenfalls als Rente beziehen.

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