Ohne Risiko gibt es kaum noch einen vernünftigen Ertrag

Basler Zeitung, 26.03.2015 

Von Alessandro Miano, stv. Niederlassungsleiter des VZ VermögensZentrums in Basel

Sparer sind bisher kaum direkt von negativen Zinsen betroffen. Allerdings sind die Zinsen auf Sparkonten so niedrig, dass sparen unter dem Strich Geld kostet, wenn man alle Gebühren miteinrechnet.

Die meisten Banken verzinsen Sparguthaben mit 0,1 Prozent oder noch weniger. Sicherheitsorientierte Anleger haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, um ihre Rendite zu verbessern: Sie können die Laufzeit ihrer Anlagen verlängern oder Geld in Anlagen umschichten, die mit höheren Risiken verbunden sind. Im aktuellen Umfeld verbessert sich die Rendite allerdings auch mit sehr langen Laufzeiten kaum. Selbst wenn man bereit ist, Geld zehn Jahre lang fest anzulegen, bringt das praktisch nichts. Die Rendite von zehnjährigen Anleihen der Schweizerischen Eidgenossenschaft pendelt zurzeit um den Nullpunkt.

Berücksichtigt man noch die Transaktions- und Depotgebühren, dann ist auch das ein klares Verlustgeschäft.

Risiken kontrolliert eingehen

Bleibt also noch die Möglichkeit, einen Teil der Kontoguthaben oder Obligationen in andere Anlageklassen mit höherem Risiko umzuschichten. Wer einen Anlagehorizont von zehn oder mehr Jahren hat, kann ein gewisses Mehrrisiko durchaus in Kauf nehmen. Voraussetzung ist ein solides und intelligentes Risikomanagement, das vor grossen Verlusten schützt.

Für Anleger ist das die beste Alternative zu Kontoeinlagen oder Obligationen bester Bonität, die garantiert Verluste einbringen.

Ein gutes Risikomanagement reduziert die Währungsrisiken eines Wertschriftendepots. Bei Anleihen in Fremdwährungen fällt das Währungsrisiko besonders stark ins Gewicht: Es macht rund 70 Prozent des Gesamtrisikos aus.

Das wachsende Angebot an währungsgesicherten ETF ermöglicht Privatanlegern eine internationale Diversifikation, ohne dass sie nennenswerte Währungsrisiken eingehen müssen. Für Schweizer Anleger trägt das entscheidend zu einer besseren Risikokontrolle bei.

Schutz vor grossen Kursverlusten

Anleger können sich zudem wirksam vor grossen Verlusten schützen, indem sie einfache Regeln befolgen. Sie sind in einen Titel investiert, solange der aktuelle Kurs dieses Titels sowohl über seinem längerfristigen als auch über seinem mittelfristigen gleitenden Durchschnittskurs liegt (zum Beispiel der letzten 200 und der letzten 50 Tage).

Fällt der Kurs unter den gleitenden Durchschnitt, kann ein Verkauf angezeigt sein. Ein Kurs- und Zeitfilter reduziert das Risiko von Fehlsignalen: Anlagen werden nicht gleich verkauft, sobald ein Kurs unter seinen 200-TageDurchschnitt fällt, sondern erst dann, wenn er mehrere Tage lang darunter liegt und der Titel beispielsweise drei Prozent tiefer gehandelt wird.

Mit dieser einfachen Methode hätten Anleger ihre Verluste zum Beispiel in der Finanzkrise von 2008, als die Aktienkurse um mehr als 50 Prozent einbrachen, auf unter 20 Prozent begrenzen können. Bei einem Wertschriftendepot mit einem Aktienanteil von 45 Prozent hätte der maximale Verlust sogar deutlich weniger als zehn Prozent betragen.

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