Negative Zinsen: Soll man jetzt die Hypothek amortisieren?

gourmet, 12.6.2015

Von Andreas Mayrhofer, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum

Wer seine Hypothek ganz oder teilweise zurückzahlen möchte, weil Zinsanlagen praktisch nichts abwerfen oder sogar etwas kosten, sollte alle Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen.

Die Sparzinsen und die Renditen von Obligationen sind so tief, dass solche Anlagen unter dem Strich Geld kosten, wenn man alle Gebühren und Steuern mit einrechnet. Viele Hausbesitzer überlegen deshalb, ob sie mit dem verfügbaren Geld besser ihre Hypothek amortisieren sollen.

Das Geld für eine Zusatz-Rente verwenden

Die vorzeitige Rückzahlung einer Hypothek hat Kosten zur Folge, die sich schnell einmal auf mehrere tausend Franken belaufen - sofern die Bank überhaupt einwilligt. Denn eine vorzeitige Rückzahlung ist in den meisten Verträgen höchstens bei einem Verkauf der Liegenschaft vorgesehen. Wer seine Festhypothek früher zurückzahlen möchte, muss der Bank sämtliche Zinsen bis zum Verfall zahlen und je nach Kreditinstitut und Restlaufzeit zusätzlich noch einen Negativzins.

Auch bei Geldmarkt-Hypotheken verlangen Banken meistens eine Ausstiegsentschädigung, wenn sie aufgelöst werden, bevor der Rahmenvertrag ausläuft Sie fällt jedoch deutlich geringer aus als bei Festhypotheken.

Eine tiefere Hypothek führt zu einer höheren Steuerbelastung, weil man weniger Schuldzinsen abziehen kann. Bei einem Grenzsteuersatz von 33 Prozent kostet eine Hypothek zu 1,5 Prozent Zins nach Steuern noch ein Prozent Netto bringt die Amortisation also nur eine Ersparnis von einem Prozent ein. Nach der Amortisation ist das Kapital zudem im Eigenheim gebunden.

Wer die Hypothek später wieder aufstocken möchte, kann dies unter Umständen nicht mehr oder nur unter erschwerten Bedingungen tun. Besonders schwierig ist eine Aufstockung für Hausbesitzer, die kurz vor der Pensionierung stehen oder bereits pensioniert sind. Wer seine Hypothek amortisiert, sollte deshalb eine ausreichende Reserve zurückbehalten, auf die man problemlos zurückgreifen kann, wenn zum Beispiel eine Renovation ansteht oder wenn man pflegebedürftig wird.

Pensionierte können das verfügbare Geld auch nach und nach aufbrauchen und so ihr laufendes Einkommen aufbessern, statt es für eine Amortisation einzusetzen. Ein Guthaben von 300 000 Franken zum Beispiel reicht aus, um sich 20 Jahre lang eine Zusatz-Rente von 15 000 Franken auszuzahlen. Wenn das Guthaben durchschnittlich zwei Prozent Rendite abwirft, kann man jedes Jahr knapp 20 000 Franken verbrauchen.

Ehepaare sollten sich rechtzeitig gegenseitig absichern

Wenn der grösste Teil des Vermögens eines Ehepaars im Eigenheim gebunden ist, dann ist es besonders wichtig, dass sich die Ehepartner gegenseitig finanziell absichern. Wenn einer von beiden stirbt, muss der andere sonst womöglich das Eigenheim verkaufen, um die anderen Erben auszuzahlen. Ohne rechtzeitige Vorkehrungen steht den Kindern die Hälfte des Nachlasses ihres verstorbenen Elternteils zu.

Der Erbanteil der Kinder lässt sich mit einem Ehevertrag, Testament oder Erbvertrag deutlich reduzieren. Es hängt von der Zusammensetzung des ehelichen Vermögens ab, ob eine dieser Möglichkeiten oder eine Kombination davon am sinnvollsten ist.

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