Nach der Pensionierung vom Vermögen leben

Der Schweizerische Hauseigentümer, 01.04.2015 

Von Karl Flubacher, Niederlassungsleiter beim VZ VermögensZentrum Basel

Die Renten aus AHV und Pensionskasse reichen in der Regel nicht, um den gewohnten Lebensstil nach der Pensionierung fortzuführen. Sind die Ausgaben höher als die Einnahmen, muss man das Vermögen nach und nach aufzehren.

Kapital kann man auf mehrere Arten verzehren: Man investiert es zum Beispiel in eine Rentenversicherung oder in einen Entnahme- bzw. Auszahlungsplan, oder man legt es selber an in Wertschriften.

Leibrenten und Entnahmepläne lohnen sich selten

Die Leibrente ist eine Versicherung, die eine lebenslange Rente garantiert. Der Versicherer zahlt die versprochene Rente auch dann weiter, wenn der einbezahlte Betrag aufgebraucht ist. Diese Garantie muss man teuer erkaufen: Für eine einmalige Einzahlung von 300000 Franken erhält ein 65-jähriger Mann aktuell eine garantierte Rente von etwa 12000 Franken pro Jahr und muss 40 Prozent davon als Einkommen versteuern. Damit wird nicht nur der Zinsertrag besteuert, sondern auch ein Teil des Kapitalverzehrs. Das ist stossend, weil die Leibrente in der Regel mit Geld finanziert wird, das bereits als Einkommen versteuert worden ist. Rentabel sind Leibrenten nur dann, wenn die Summe der erhaltenen Renten das einbezahlte Kapital inklusive den Zinsertrag auf diesem Kapital übersteigt. Sie sind daher nur sinnvoll, wenn die Sicherheit des Einkommens äusserst wichtig ist, und wenn man damit rechnet, sehr alt zu werden.

Bei einem Entnahme- oder Auszahlungsplan einer Bank oder eines Versicherers investiert man einen festen Betrag in Anlagefonds. Im Gegenzug erhält man regelmässige Auszahlungen, aber nicht lebenslang, sondern über einen vereinbarten Zeitraum von beispielsweise 20 oder 25 Jahren. Steuerbar sind nur die tatsächlich erzielten Zinsen und Dividenden sowie zusätzliche Auszahlungen am Schluss der Laufzeit. Produkte von Versicherern beinhalten in der Regel Zins- und Kapitalgarantien, die das Produkt verteuern. Hinzu kommen wie bei der Leibrente hohe Abschlussprovisionen und Verwaltungskosten.

Geld selber anlegen wie eine Pensionskasse

Am besten fahren Pensionierte meist, wenn sie ihr Geld selber in ETF (Exchange Traded Funds), Einzeltitel oder andere günstige Anlageinstrumente anlegen. Bei der Herleitung der Anlagestrategie können sie ähnlich vorgehen wie eine Pensionskasse. Der Spielraum für die Anlagestrategie einer Pensionskasse ergibt sich aus den gesetzlichen Anlagevorschriften und aus der Höhe der Wertschwankungsreserven. Die Schwankungsreserven eines Pensionärs mit einem Vermögen von 1 Mio. Franken zum Beispiel betragen 200000 Franken, wenn die Summe seiner diskontierten Einkommensbezüge, die er künftig für seinen Lebensunterhalt benötigt, 800000 Franken beträgt. Sein Vermögen darf folglich um höchstens 20 Prozent schwanken, damit sein Einkommen langfristig gesichert bleibt. Wichtige Hebel zur Steuerung der Schwankungsbandbreite eines Wertschriftenportfolios sind die Aktienquote und die Bonität der Obligationen.

Kapitalverzehr in Etappen

Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Etappenstrategie: Dabei teilt man das verfügbare Geld in einen Verbrauchs- und einen Wachstumsteil auf. In den Verbrauchsteil fliesst der Betrag, der nötig ist, um den Einkommensbedarf für die erste Planungsetappe von zehniahren zu decken. Dieses Geld wird sehr sicher und ausschliesslich kurzfristig angelegt (z. B. in Sparkonten, Festgelder, Franken-Obligationen etc.) und schrittweise aufgebraucht. Der Rest fliesst in den Wachstumsteil und sichert das Einkommen für die folgenden zehn Jahre. Weil der Anlagehorizont lang genug ist, kann man einen Teil davon in risikoreichere Anlagen wie Aktien investieren, die mehr Rendite versprechen. Der Wachstumsteil sollte den Substanzverlust des Verbrauchsteils mindestens so weit ausgleichen, dass am Ende einer Etappe genügend Kapital vorhanden ist, um den Einkommensbedarf für die folgende Zehnjahresetappe zu decken.

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