Nach der Pensionierung gut vom Vermögen leben

Basler Zeitung, 08.01.2015 

Von Philipp Burla, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Die Renten aus AHV und Pensionskasse reichen in der Regel nicht, um den gewohnten Lebensstil nach der Pensionierung fortzuführen.

Sind die Ausgaben höher als die Einnahmen, muss man das Vermögen nach und nach aufzehren. Dieser Verzehr sollte sorgfältig geplant sein, damit das Einkommen bis ins hohe Alter gesichert bleibt. Das gilt erst recht, wenn man sich einen bedeutenden Teil des Pensionskassen- Guthabens auszahlen lässt. Kapital kann man auf mehrere Arten verzehren: Man investiert es zum Beispiel in eine Rentenversicherung oder in einen Entnahme- bzw. Auszahlungsplan, oder man legt es selber an. 

Die Leibrente ist eine Versicherung, die eine lebenslange Rente garantiert. Der Versicherer zahlt die versprochene Rente auch dann weiter, wenn der einbezahlte Betrag aufgebraucht ist. Diese Garantie muss man teuer erkaufen: Für eine einmalige Einzahlung von 300 000 Franken erhält ein 65-jähriger Mann aktuell etwa 12 000 bis 13 000 Franken Rente pro Jahr und muss 40 Prozent davon als Einkommen versteuern. Damit wird nicht nur der Zinsertrag besteuert, sondern auch ein Teil des Kapitalverzehrs. 

Nur in wichtigen Fällen 

Das ist stossend, weil die Leibrente in der Regel mit Geld finanziert wird, das bereits als Einkommen versteuert worden ist. Leibrenten sind nur sinnvoll, wenn die Sicherheit des Einkommens extrem wichtig ist. Rentabel sind sie höchstens, wenn man sehr alt wird. 

Bei einem Entnahme- oder Auszahlungsplan einer Bank oder eines Versicherers investiert man einen festen Betrag in Anlagefonds. Im Gegenzug erhält man regelmässige Auszahlungen, aber nicht lebenslang, sondern über einen vereinbarten Zeitraum von beispielsweise 20 oder 25 Jahren. Steuerbar sind nur die tatsächlich erzielten Zinsen und Dividenden sowie zusätzliche Auszahlungen am Schluss der Laufzeit. Produkte von Versicherern beinhalten in der Regel Zins- und Kapitalgarantien, die das Produkt verteuern. Hinzu kommen wie bei der Leibrente hohe Abschlussprovisionen und Verwaltungskosten. 

Pensionierte, die möglichst flexibel bleiben möchten, legen ihr Geld am besten in ETF (börsengehandelter Fonds), Einzeltitel oder andere günstige Anlageinstrumente an. Sie können das verfügbare Geld zum Beispiel in einen Verbrauchs- und einen Wachstumsteil aufteilen. In den Verbrauchsteil fliesst der Betrag, der nötig ist, um den Einkommensbedarf für die erste Planungsetappe von zehn Jahren zu decken.

Geld wird sehr sicher und ausschliesslich kurzfristig angelegt (z.B. in Sparkonten, Festgelder, Franken-Obligationen etc.) und schrittweise aufgebraucht. Der Rest fliesst in den Wachstumsteil und sichert das Einkommen für die folgenden zehn Jahre. Weil der Anlagehorizont lang genug ist, kann man einen Teil davon in risikoreichere Anlagen wie Aktien investieren, die mehr Rendite versprechen. Der Wachstumsteil sollte den Substanzverlust des Verbrauchsteils mindestens so weit ausgleichen, dass am Ende einer Etappe genügend Kapital vorhanden ist, um den Einkommensbedarf für die folgende Zehnjahres-Etappe zu decken.

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