Mit 18 beginnt der Ernst des Lebens

Basler Zeitung, 26.9.2015

Von Dominic Mathis, Versicherungsspezialist beim VZ VermögensZentrum

Haftpflicht, Krankenkasse, Vorsorge: Diese Versicherungen sind für junge Erwachsene nötig oder sinnvoll.

Zum 18. Geburtstag erhält man sehnlichst erwartete Rechte und Freiheiten. Doch auch im Hinblick auf Versicherungen ist der Eintritt ins Erwachsenenleben relevant. Jetzt gilt es zu prüfen, ob man immer noch ausreichend versichert ist.

Spätestens nach Abschluss der Ausbildung oder wenn man von zu Hause auszieht, verliert man meist den Versicherungsschutz über die Policen der Eltern und muss eigene Versicherungen abschliessen.

Privathaftpflicht-Versicherung: Ein Muss

Wer anderen einen Schaden zufügt, muss dafür mit seinem gesamten Einkommen und Vermögen geradestehen. Verletzt man zum Beispiel einen Familienvater auf der Skipiste oder mit dem Velo im Strassenverkehr so schwer, dass er invalid wird, geht der Schaden unter Umständen in die Millionen. Der Unfallverursacher muss nicht nur die Arzt und Spitalkosten ersetzen, sondern auch den Lohnausfall des Familienernährers. Das kann Millionen kosten. Wer den Schaden nicht begleichen kann, zahlt womöglich ein Leben lang für sein Missgeschick. Solche Schäden übernimmt die Privathaftpflicht-Versicherung.

Solange Kinder unter 18 Jahren mit ihren Eltern im selben Haushalt leben, sind sie in jedem Fall in der Familienpolice mitversichert. Danach gilt es unbedingt abzuklären, ob eine eigene Privathaftpflicht-Versicherung nötig wird. Lehrlinge, die noch zu Hause wohnen, sind in der Regel auch nach 18 weiterhin in der Familien-Haftpflichtpolice ihrer Eltern versichert. Das gilt bei den meisten Gesellschaften auch für Studenten, die die Woche hindurch auswärts wohnen und an den Wochenenden nach Hause kommen.

Spätestens mit 25 ist Schluss

Nach Abschluss der Ausbildung oder wenn sie ausziehen, müssen junge Erwachsene eine eigene Versicherung abschliessen. Spätestens mit 25 fallen sie bei den meisten Gesellschaften in der Familienpolice ihrer Eltern aus dem Kreis der versicherten Personen, selbst wenn sie immer noch studieren. Studenten, die mit regelmässigen Jobs ihren Lebensunterhalt verdienen, sind in der Regel bereits ab 18 Jahren nicht mehr über die Familienpolice versichert und müssen eine eigene Privathaftpflicht-Versicherung abschliessen.

Eine Versicherung kostet für eine Einzelperson nur rund 100 Franken im Jahr. Die Police deckt Schäden an Personen und Fremdeigentum. Auch Schäden an Einrichtungen, die zur Mietwohnung gehören, fallen darunter (zum Beispiel ein Sprung im Lavabo). Empfehlenswert ist eine Versicherungssumme von mindestens fünf Millionen Franken.

Wer sich von den Eltern oder Kollegen ab und zu ein Auto ausleiht, sollte unbedingt die Zusatzdeckung für die gelegentliche Benützung fremder Fahrzeuge abschliessen. Sonst muss er selber für den finanziellen Schaden des Autobesitzers geradestehen, wenn er einen Unfall verursacht. Eltern sollten in so einem Fall prüfen, ob ihre Autoversicherung auch Schäden übernimmt, falls der Lenker jünger als 25 Jahre ist. Manche Autohalter haben Junglenker explizit von der Deckung ausgeschlossen, damit sie einen Prämienrabatt erhalten.

Hausratversicherung: Für die eigenen Siebensachen

Eine Hausratversicherung kann sinnvoll sein, sobald man bei den Eltern aus- und in eine eigene Wohnung oder WG einzieht und Gegenstände besitzt, deren Verlust finanziell schmerzhaft ist. Die Hausratversicherung deckt den Diebstahl von persönlichen Sachwerten und Schäden, die etwa durch Feuer oder Wasser an Einrichtungsgegenständen entstehen.

Auch Diebstahl einschliessen

Viel häufiger kommt es vor, dass persönliche Gegenstände wie zum Beispiel das Velo oder das teure Smartphone ausserhalb der Wohnung geklaut werden. Ersatz von der Versicherung gibt es in so einem Fall nur, wenn man in seiner Hausratspolice den Zusatzbaustein für einfachen Diebstahl auswärts eingeschlossen hat. Auch Taschen- oder Trickdiebstähle sowie gestohlenes Reisegepäck sind dann versichert. Trotz Versicherung lohnt es sich aber, gut auf sein teures Mountainbike aufzupassen: Wird es nämlich mehrmals gestohlen, kann es sein, dass die Versicherung die Police kündigt oder es nur gegen eine höhere Prämie weiterhin versichert.

Krankenversicherung: Vergleichen und sparen

Ab dem Januar des Jahres, in dem Kinder ihr 18. Lebensjahr erreichen, erhöht sich die Prämie ihrer Krankenkassen-Grundversicherung deutlich. Umso mehr lohnt es sich jetzt, zu prüfen, wie viel Geld sich mit einem Wechsel zu einer günstigeren Kasse sparen liesse. Die Leistungen der obligatorischen Grundversicherung sind bei allen Kassen identisch, der Wechsel ganz einfach.

Notfall im Ausland abgedeckt

Wer pro Jahr Kosten von über 1800 Franken für Arzt, Spital oder Medikamente hat, nimmt am besten die tiefste Franchise von 300 Franken. Wer gesund ist, spart Geld, wenn er die maximale Franchise von 2500 Franken wählt. Wer mehr als acht Stunden arbeitet, ist bereits über die Unfallversicherung seines Arbeitgebers obligatorisch gegen Unfälle in der Freizeit versichert und kann folglich die Unfalldeckung in seiner Krankenkassen-Grundversicherung ausschliessen und profitiert dadurch von einer Prämienreduktion.

Empfehlenswert ist in der Regel eine Zusatzversicherung, die auch die Kosten eines freiwilligen Aufenthaltes in der allgemeinen Abteilung eines Spitals ausserhalb des Wohnkantons deckt.

Wenn man ab und zu in Länder ausserhalb der EU verreist, ist eine Zusatzversicherung ratsam, die für die vollen Kosten eines medizinischen Notfalls im Ausland aufkommt. Eine Spitalbehandlung im Ausland und ein medizinischer Rücktransport in die Schweiz kosten schnell mehrere Zehntausend Franken. Einige Krankenkassen übernehmen maximal einen bestimmten Betrag. Das kann zur Folge haben, dass Versicherte auf einem Grossteil der Kosten sitzen bleiben. Empfehlenswerter ist eine unbegrenzte Deckung.

Vorsorge: Schon in jungen Jahren wichtig

Das Thema Vorsorge ist in allen Lebensphasen wichtig. In jungen Jahren ist vor allem die Frage von Bedeutung: Bin ich ausreichend versichert für den Fall, dass ich infolge eines Unfalls oder einer Krankheit nur noch eingeschränkt oder gar keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen kann?

Mit dem ersten Lehrlingslohn gehen erste Beiträge an staatliche Sozialversicherungen wie AHV, IV und Unfallversicherung, ab 18 Jahren auch an die Pensionskasse. Vor allem bei einer Invalidität aufgrund einer Krankheit bestehen oft grosse Lücken, die sich mit einer privaten Erwerbsunfähigkeits-Rentenversicherung schliessen lassen. Studenten, die nicht nebenher sozialversicherungspflichtig jobben, sollten ab dem 21. Altersjahr freiwillige AHV-Beiträge leisten und den Mindestbeitrag von zurzeit 480 Franken im Jahr einzahlen, um Leistüngskürzungen zu vermeiden. 

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