Konkubinatspaare sollten sich finanziell absichern

Sonntag, 6.8.2015

Von Romina Mutter, Vorsorgeberaterin beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Wer im Konkubinat lebt und nichts für den Todesfall vorkehrt, bringt seinen hinterbliebenen Partner oft in Bedrängnis.

Rolf Müller und Karin Frischknecht (Namen geändert) sind knapp fünfzig Jahre alt und seit sechs Jahren in einer Lebensgemeinschaft verbunden. Beide sind geschieden. Karin Frischknecht hat zwei Kinder aus erster Ehe, die inzwischen fast erwachsen sind. Eine Heirat kommt für die beiden Konkubinatspartner nicht in Frage. Rolf Müller bestreitet mit seinem Einkommen den Hauptteil der Ausgaben der Patchworkfamilie. Karin Frischknecht kümmert sich vor allem um den Haushalt und die Familie. Zusätzlich arbeitet sie vierzig Prozent in einer Apotheke.

Finanzieller Engpass

Das Konkubinatspaar fragt sich, ob Frau Frischknecht finanziell ausreichend abgesichert ist, wenn Herr Müller stirbt. Eine Vorsorgeanalyse ergibt, dass Frau Frischknecht insbesondere dann finanzielle Probleme bekommt, wenn ihr Lebenspartner aufgrund einer Krankheit stirbt. Da Herrn Müllers Pensionskasse auf freiwilliger Basis eine Hinterbliebenenrente für langjährige Konkubinatspartner vorsieht, könnte Frau Frischknecht mit jährlichen Einnahmen von 67 000 Franken pro Jahr rechnen (siehe Tabelle). Das wäre aber zu wenig, denn sie braucht 98 000 Franken, um nicht in einen Engpass zu geraten. An diesen Fixkosten kann Karin Frischknecht in den nächsten Jahren nichts ändern, denn beide Kinder brauchen finanzielle Unterstützung für ihr Studium oder ihre Berufslehre. Bei ihrem heutigen Arbeitgeber kann Frau Frischknecht ihr Arbeitspensum voraussichtlich nicht erhöhen, und ein Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber ist in ihrem Alter schwierig. Herr Müller schliesst deshalb eine Todesfallrisikoversicherung ab, die seiner Lebenspartnerin einen einmaligen Betrag von 200 000 Franken auszahlt, wenn er stirbt. Damit würden sich wenigstens die Geldsorgen seiner Lebenspartnerin in Grenzen halten. So eine Versicherung kostet ihn beim günstigsten Anbieter knapp fünfhundert Franken Prämie pro Jahr. Damit bleibt Frau Frischknecht nach Abzug der Auszahlungssteuer auf der Versicherungssumme genügend Geld, um mindestens sechs Jahre zu überbrücken.

Konkubinatsvertrag aufsetzen

Als weitere Massnahme empfiehlt es sich für Herrn Müller, Frau Frischknecht in seinem Testament so weit wie möglich zu begünstigen. Wenn er seine Eltern auf ihren Pflichtteil setzt, kann er seiner Lebenspartnerin immerhin die Hälfte seines Vermögens als freie Quote zuweisen. Möchte Herr Müller, dass das Geld nach dem Tod seiner Lebenspartnerin an seine Familie zurückgeht, kann er sie als Vorerbin und seine nächsten Verwandten als Nacherben einsetzen. Setzt er keine Nacherben ein, geht die freie Quote an die Erben seiner Lebenspartnerin, und seine eigene Familie geht leer aus. Für unverheiratete Paare lohnt es sich zudem, die finanziellen Aspekte des Zusammenlebens in einem Konkubinatsvertrag zu regeln.

Diese Seite teilen