Kein Anstieg weit und breit

Basler Zeitung, 16.04.2015

Von Adrian Wenger, Leiter Key Clients Hypotheken beim VZ VermögensZentrum

Fast überall auf der Welt sind die Leitzinsen auf Talfahrt; die Schweiz hat sogar Negativzinsen eingeführt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) drückte ihr Zielband auf -0,25 bis -1,25 Prozent. Der Aufwärtsdruck auf die Schweizer Währung dürfte erst dann nachlassen, wenn die Eurozone und Russland ihre wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommen. Dafür spricht zurzeit wenig. Einzig in den USA wird bei den Zinsen eine Trendwende erwartet, die jedoch nicht zu einem schwächeren Franken und damit einer Reduktion oder sogar Aufhebung der Negativzinsen in der Schweiz führen dürfte.

Das sind gute Nachrichten für Schweizer Hausbesitzer, die auf Geldmarkt-Hypotheken (auch Libor-Hypotheken genannt) setzen. Sie zahlen weiterhin nur rund ein Prozent Zins und haben sogar einen Sicherheitspuffer, weil der Libor erst über null steigen muss, bevor die Zinsen von Geldmarkt-Hypotheken anziehen. Ein so starker Zinsanstieg ist zurzeit kaum vorstellbar.

Der 3-Monats-Libor liegt aktuell bei rund -0,8 Prozent. Die Chancen stehen damit gut, dass Hypothekarnehmer noch mehrere Jahre von den sehr günstigen Konditionen profitieren und damit gegenüber Festhypotheken jedes Jahr Tausende Franken an Zinsen sparen. Festhypotheken kosten heute mindestens so viel wie vor der Einführung der Negativzinsen. Je nach Kreditinstitut liegen 5-jährige Festhypotheken zwischen 1,3 und 1,5 Prozent, 10-jährige zwischen 1,6 und 2,3 Prozent.

Damit sind sie rund fünfzig Prozent teurer als Geldmarkt-Hypotheken. 0,5 Prozentpunkte Zinsunterschied bedeuten bei einer Hypothek von 500 000 Franken in zehn Jahren 25 000 Franken mehr oder weniger Zinsen.

Erwartungen revidiert

Wer nicht davon ausgeht, dass die Zinsen innert kurzer Zeit stark ansteigen, sollte einen möglichst grossen Teil seiner gesamten Hypothekarsumme mit Geldmarkt-Hypotheken finanzieren, je nach Risikofähigkeit mindestens die Hälfte. Langfristig fährt man nur dann mit Festhypotheken am besten, wenn das Zinsniveau während der Laufzeit stark ansteigt. Zurzeit ist ein solcher Anstieg aber nicht zu erwarten. Selbst die Zinsexperten der Banken rechnen mit nur geringfügig höheren Zinsen in zwölf Monaten.

In den letzten Jahren waren ihre Prognosen stets davon ausgegangen, dass sich 5-jährige Festhypotheken innert eines Jahres um rund einen Prozentpunkt verteuern. Jetzt haben sie ihre Erwartungen revidiert und sehen die Zinsen für mittlere Laufzeiten auch nächstes Jahr noch weit unter 1,5 Prozent.

Wichtig ist, dennoch die Langfristzinsen im Auge zu behalten und, falls sich dort eine Trendwende abzeichnet, mit einem Teil der Geldmarkt-Hypotheken in Festhypotheken mit langen Laufzeiten zu wechseln.

Diese Seite teilen