Jobverlust kurz vor der Pensionierung

Der Schweizerische Hauseigentümer, 15.9.2015

Von Karl Flubacher, Niederlassungsleiter des VZ VermögensZentrums in Basel

Unternehmen bauen häufig Stellen ab, indem sie ältere Mitarbeiter in die Frühpension entlassen. Eine Entlassung wenige Jahre vor der Pensionierung kann sich verheerend auswirken auf die finanzielle Situation im Alter, wenn man keinen neuen Arbeitsplatz mehr findet. Die Betroffenen müssen umgehend wichtige Entscheide fällen, damit ihr Einkommen im Ruhestand nicht deutlich kleiner ausfällt.

Vorzeitiger Bezug von Renten

Die AHV-Rente kann man schon ein oder zwei ganze Jahre vor dem regulären Rentenalter beziehen. Die meisten Pensionskassen lassen einen Bezug der  Altersleistungen ab 58 oder 60 Jahren zu. Beide Renten fallen bei einem Vorbezug aber lebenslang tiefer aus. Die AHV-Rente schrumpft bei einem Vorbezug um zwei Jahre um 13,6 Prozent, ein Vorbezug um ein Jahr führt zu einer lebenslänglichen
Rentenkürzung von 6,8 Prozent. Die meisten Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionierten um 5 bis 7 Prozent pro Vorbezugsjahr. Ein Versicherter, der mit 60 statt 65 in Rente geht, erhält folglich von der Pensionskasse 25 bis 35 Prozent weniger Rente.

Ein Vorbezug der AHV-Rente lohnt sich in den meisten Fällen nur für Rentnerinnen und Rentner, die von einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung ausgehen. Viele Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine Überbrückungsrente an, mit der sie einen Vorbezug der AHV-Rente umgehen können. Meistens müssen Frühpensionierte diese Überbrückungsrente aber selbst finanzieren: Die ausbezahlten Renten werden von ihrem Pensionskassenguthaben abgezogen.

Einkommenslücke mit Sparguthaben überbrücken

Vorzeitige Rentenbezüge haben höhere AHV-Beiträge bis zum ordentlichen  Rentenalter zur Folge. Diese Beiträge steigen mit den Renten und dem Vermögen des Frühpensionierten und können bis zu 24 000 Franken pro Jahr und pro Person betragen. Mit einem Teilzeitpensum lassen sich die AHV-Beiträge deutlich senken.

Wenn ein Ehepartner noch erwerbstätig ist, entfällt die Beitragspflicht des anderen in der Regel ganz. Bei einem vorzeitigen Rentenbezug fallen auch die Taggelder der Arbeitslosenversicherung tiefer aus, weil sie die Arbeitslosenkasse als Einkommen anrechnet. Das gilt auch, wenn man sich das Pensionskassenguthaben frühzeitig auszahlen lässt. Frühpensionierte sollten deshalb prüfen, ob sie die Einkommenslücke nicht besser mit privaten Ersparnissen überbrücken. 3a-Guthaben zum Beispiel kann man schon fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters beziehen.

Optionen für das PK-Guthaben prüfen

Wer seine Stelle vor dem frühestmöglichen Pensionsalter der Pensionskasse verliert und nicht gleich eine neue Stelle antritt, muss das Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto, ein Freizügigkeitsdepot oder eine Freizügigkeitspolice überweisen lassen. Wer zum Zeitpunkt der Kündigung das frühestmögliche Pensionsalter erreicht hat, kann wählen, ob er seine Altersleistungen vorzeitig beziehen oder das Pensionskassenguthaben zu einer Freizügigkeitsstiftung  transferieren möchte.

Entscheidet sich der Versicherte für die Überweisung zu einer Freizügigkeitsstiftung, muss er der Pensionskässe in der Regel schriftlich bestätigen, dass er weiterhin erwerbstätig sein möchte, oder ihr eine Bestätigung vorlegen, dass er bei der Arbeitslosenkasse angemeldet ist.

Wer diese Option wählt und keinen neuen Arbeitsplatz mehr findet, verzichtet definitiv auf die Möglichkeit, von der Pensionskasse eine Rente zu beziehen. Bei einer  Freizügigkeitsstiftung lässt sich das Guthaben nicht als Rente, sondern nur als Kapital auszahlen. Dafür kann man den Bezug des Guthabens bis 70 aufschieben (Frauen bis 69), was aus steuerlichen Gründen sinnvoll ist.

Die Zinsen und Dividendenerträge auf Freizügigkeitskonten muss man nämlich nicht als Einkommen versteuern, das Guthaben nicht als Vermögen. Wer das  Pensionskassenguthaben auf zwei verschiedene Freizügigkeitskonten transferieren lässt, kann die Guthaben gestaffelt beziehen und so die Steuern, die bei der Auszahlung des Guthabens anfallen, meistens senken.

Wer sich die Option des Rentenbezugs offen halten will, kann sein Geld an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG des Bundes überweisen oder mit dem ausbezahlten Guthaben bei einem Versicherer eine Leibrente kaufen.

Die Anmeldung bei der Auffangeinrichtung muss innert 90 Tagen seit der Erwerbsaufgabe erfolgen. Die Auffangeinrichtung richtet nur Renten für das  obligatorische Pensionskassenkapital aus; überobligatorisches Guthaben zahlt auch sie nur als Kapital aus. Leibrenten sind zwar nur zu 40 Prozent als Einkommen  steuerbar, Renten von Pensionskassen und der Auffangeinrichtung hingegen zu 100
Prozent.

Trotzdem lohnt sich eine Leibrente in den meisten Fällen nicht. Mit den 40 Prozent wird nämlich nicht nur der Zinsertrag besteuert, sondern auch ein Teil des Kapitalverzehrs. Zudem ist der Umwandlungssatz, mit dem ein Kapital in eine lebenslängliche Rente umgerechnet wird, bei Leibrenten deutlich tiefer als bei der Pensionskasse.

Diese Seite teilen