Hypothekarnehmer profitieren nicht von den Negativzinsen

Der Schweizerische Hauseigentümer, 01.02.2015

Von Adrian Wenger, Leiter Key Clients Hypotheken beim VZ VermögensZentrum 

Mit der Einführung von Negativzinsen hat die Schweizerische Nationalbank auch das Hypothekargeschäft auf den Kopf gestellt.

Kurz vor Weihnachten hat sie angekündigt, dass Banken auf Einlagen bei der SNB einen Strafzins von 0,25 Prozent zahlen müssen. Im -Anschluss daran waren auf dem Geld- und Kapitalmarkt die Zinsen für Laufzeiten bis zu fünf Jahren ins Minus gerutscht. Mitte Januar legte die SNB nach: Gleichzeitig mit der Aufhebung des Euro- Mindestkurses erhöhte sie den Strafzins auf Bankeinlagen auf 0,75 Prozent und drückte damit die Zinsen noch deutlicher in den negativen Bereich. Der 3-Monats-Libor liegt am 26. Januar bei rund minus 1 Prozent, und die Kapitalmarktzinsen tragen nun sogar für Laufzeiten von zehn Jahren negative Vorzeichen. Die Rendite einer zehnjährigen Bundesobligation beispielsweise beträgt rund -0,25 Prozent.

Sparzinsen bilden die Preisbasis

Banken können ihre Festhypotheken nicht mit negativen Zinsen refinanzieren, sondern verwenden dazu Spargelder, für die sie ihren Kunden trotz negativer Zinsen einen- wenn auch äusserst bescheidenen - Zins zahlen. Somit legen sie die Zinsen für ihre Festhypotheken auf der Basis eines Zinses von mindestens null Prozent fest. Die Kunden können ihre Sparguthaben innert weniger Monate abziehen. Die Banken haben also ständig das Risiko, dass sie ihre vergebenen Hypotheken neu refinanzieren müssen, möglicherweise zu einem deutlich höheren Zins als heute. Dieses Zinsänderungsrisiko wollen sie in der Regel nicht selbst tragen. Sie sichern sich deshalb mit einem sogenannten Swapgeschäft ab. Die Gegenpartei des Swaps übernimmt das Zinsänderungsrisiko, verlangt dafür aber eine Prämie. Diese Prämie ist im aktuellen Umfeld umso höher, je deutlicher die Kapitalmarkt- und damit auch Swapzinsen im negativen Bereich liegen.

Die Absicherungskosten der Banken sind gestiegen

Möchte eine Bank zum Beispiel das Zinsänderungsrisiko einer zehnjährigen Festhypothek auf sechs Monate reduzieren, kostet sie diese Absicherung zurzeit rund 0,7 Prozent der Hypothekarsumme. Der Preis der Absicherung berechnet sich wie folgt: aktueller Libor-Zinssatz für sechs Monate (zurzeit rund -0,9 Prozent) abzüglich des Swapzinses für zehnjährige Laufzeiten (zurzeit mit rund -0,2 Prozent ebenfalls negativ). Die Eingriffe der SNB haben dazu geführt, dass keiner der Marktakteure sich im Moment zutraut abzuschätzen, wie sich die Zinsen in den nächsten Jahren entwickeln werden. Die Banken finden darum kaum mehr eine Gegenpartei, die ihr das Zinsänderungsrisikc abnimmt.

Erst bei einem deutlichen Trendwechsel umsteigen

Die gestiegenen Absicherungskosten und die damit verbundenen Unsicherheiten führen dazu, dass Festhypotheken heute immer noch gleich viel oder sogar mehr kosten als vor der Einführung der Negativzinsen durch die SNB, obwohl die Zinsen am Kapitalmarkt seither deutlich gesunken sind. Zehnjährige Festhypotheken kosten je nach Bank heute zwischen 1,4 und 1,8 Prozent. Sie sind damit nach wie vor rund fünfzig Prozent teurer als Geldmarkt-Hypotheken, die schon seit einigen Jahren für 1 Prozent oder sogar etwas weniger zu haben sind.

Risikofähige Hypothekarnehmer sollten in der aktuellen Situation weiterhin einen grossen Teil der gesamten Hypothekarsumme als Geldmarkt- Hypothek aufnehmen und erst dann auf Festhypotheken umsteigen, wenn bei den langfristigen Zinsen ein deutlicher Trendwechsel erkennbar ist. Ein solcher Trendwechsel ist mit dem SNB-Entscheid noch weiter in die Ferne gerückt. So oder so können sich Hausbesitzer mit dem Abschluss von Festhypotheken noch Zeit lassen: Weil Banken für die Preisberechnung einer Festhypothek einen Zins von mindestens null einsetzen, lassen sich solche Hypotheken selbst dann noch zum heutigen Preis aufnehmen, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt wieder auf null angestiegen sind. 

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