Hochzinsanleihen: Der Einstieg lohnt sich

Basler Zeitung, 17.09.2015

Von Marc Hutmacher, Anlage-Experte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Liestal

Die Erträge von Staatsanleihen der Industrieländer sowie von Unternehmensanleihen mit guter Bonität litten in den vergangenen Jahren unter dem Tiefzinsumfeld. Eine Ausnahme bilden Hochzinsanleihen von US-Unternehmen.

Ihre Rendite lag zwischen 2011 und heute im Durchschnitt 3,7 Prozentpunkte höher als jene von fünfjährigen US-Staatsanleihen, mindestens aber 1,5 Prozentpunkte höher. Hochzinsanleihen (englisch: High Yield Bonds) sind Wertpapiere tieferer Kreditqualität. Sie verfügen in der Regel über ein schlechteres Rating von den Ratingagenturen. Hochzinsanleihen bieten höhere Renditen, haben aber auch höhere Risiken als Staatsanleihen und Unternehmens anleihen mit guter Bonität.

Das Hochzinssegment dürfte sich auch in Zukunft gut entwickeln. Ähnlich wie Aktien profitieren die Anleihekurse in diesem Segment von der anziehenden Konjunktur in den USA. Je stärker die Wirtschaft wächst, desto tiefer ist das Risiko, dass Unternehmen zahlungsunfähig werden.

Für das laufende Jahr wird die Ausfallwahrscheinlichkeit - das Risiko eines Zahlungsausfalls im Hochzinssegment - auf drei Prozent geschätzt, weit unter dem historischen Durchschnitt von sechs Prozent. Grund hierfür sind die robusten Fundamentaldaten der Unternehmen. Sie haben ihre Refinanzierung auf Jahre hinaus zu günstigen Konditionen sichergestellt.

Wegen der kräftigeren Konjunktur wird die US-Notenbank wohl noch 2015 den Leitzins anheben. Steigende Zinsen belasten die Anleihekurse. Das Hochzinssegment dürfte wegen der höheren Coupons aber weniger betroffen sein als andere Anleiheklassen. Anleger können dieses Zinsrisiko abmildern, indem sie Anleihen mit tiefer Zinssensitivität wählen, also indem sie die sogenannte Duration tief halten.

Die Duration gibt an, wie stark ein Anleihekurs reagiert, wenn der Zins ändert. Ein weiteres bedeutsames Risiko von Anleihen ist die Währungskomponente. Es darf auch im Hochzinssegment nicht unterschätzt werden. Um dieses Risiko auszuschalten, sollte ein Schweizer Anleger beispielsweise einen Anleihefonds auswählen, der in Franken abgesichert ist.

USA machen zwei Drittel aus

Bei der Investition in einen Hochzinsanleihen- Fonds sollte zudem darauf geachtet werden, dass der Fonds stark in US-Anleihen investiert ist. Hochzinsanleihen werden auch in anderen Regionen als den USA herausgegeben.

Allerdings machen die USA zwei Drittel des Gesamtmarkts aus, sie sind also deutlich grösser und liquider als andere Regionen. Auch ist die Verfallrendite von US- Hochzinsanleihen attraktiver als von europäischen Papieren. Das europäische Hochzinssegment ist seit Monaten teuer bewertet. Papiere aus Schwellenländern sind stark abhängig von den Rohstoffpreisen, die seit Wochen fallen. Das aktuelle Makroumfeld wie etwa in China und Brasilien belastet ebenfalls.

Aktuell lohnt sich der Einstieg besonders, weil der Risikoaufschlag für US-Hochzinsanleihen attraktiv ist. Die Kurse haben im Zuge der fallenden Rohstoffpreise nachgegeben, denn 15 Prozent der Hochzinsanleihen werden von Energieunternehmen ausgegeben. Da die Energiepreise auf absehbare Zeit unter Druck bleiben werden, sollten Anleger diesen Sektor untergewichten.

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