Hilfe für einen neuen Anfang

Basler Zeitung, 22.10.2015

Von Karl Flubacher ist Niederlassungsleiter, VZ VermögensZentrum Basel

Ein Willensvollstrecker unterstützt die Hinterbliebenen

Nach dem Tod des Ehepartners ist man auch in finanziellen Fragen plötzlich auf sich allein gestellt. Auch heute noch sind es in erster Linie die Männer, die sich um die gemeinsamen Finanzen kümmern. Viele Witwen fühlen sich in dieser Situation überfordert, weil schon kurz nach dem Tod ihres Mannes wichtige Entscheide anstehen.

Ehepaare können diese zusätzliche Belastung vermeiden, indem sie im Testament oder Erbvertrag einen professionellen Willensvollstrecker  einsetzen.

Der Willensvollstrecker entlastet die Hinterbliebenen in der Zeit der  Trauerverarbeitung von administrativen Aufgaben und kümmert sich um alle  finanziellen Belange. Er treibt zum Beispiel ausstehende Forderungen des  Verstorbenen ein, bezahlt offene Rechnungen und regelt Versicherungsfragen.  Auch leitet er alle notwendigen Massnahmen ein, damit die Erbschaft bis zu  ihrer Teilung im Wert nicht geschmälert wird, indem er sich um die  Verwaltung des Nachlassvermögens kümmert.

Die Erbteilung vorbereiten

Gleichzeitig bereitet der Willensvollstrecker die Erbteilung vor und führt sie durch. Er stellt das Nachlassvermögen fest. Er ermittelt dazu den aktuellen Wert von Liegenschaften im Nachlass und führt bei verheirateten Erblassern die güterrechtliche Auseinandersetzung durch. Anschliessend macht er einen Teilungsvorschlag, gestützt auf die Anordnungen des Erblassers.

Eine weitere wichtige Aufgabe des Willensvollstreckers ist es, zwischen den Erben zu vermitteln. Er sucht bei Streitigkeiten unter den Erben  kompromissfähige Lösungen, um die Teilung der Erbschaft nicht zu gefährden.

Einen Willensvollstrecker sollte man sehr sorgfältig auswählen. Die Erben können ihn nicht ohne Weiteres absetzen, wenn er seine Aufgaben nicht  richtig oder nur schleppend erfüllt. Sie müssen sich bei der Aufsichtsbehörde beschweren, die den Willensvollstrecker dann gegebenenfalls massregelt oder eine Ordnungsbusse verhängt.

Verwandte sind keine gute Wahl

Grundsätzlich ist jede Person oder Institution befugt, das Amt auszuüben. Ein Willensvollstrecker sollte sich jedoch mit Geldanlagen, Steuern,  Liegenschaften, Versicherungen und im Erbrecht auskennen. Und er sollte  von den Erben möglichst gut akzeptiert sein und gleichzeitig unabhängig  bleiben.

Es kann problematisch sein, eine Einzelperson als Willensvollstrecker einzusetzen. Wenn sie vor dem Erblasser oder noch während der Erbteilung stirbt, sind die Erben auf sich allein gestellt. Manche Erblasser bestimmen als Willensvollstrecker einen Erben, einen nahen Verwandten oder Freund.

Erben haben immer auch Eigeninteressen. Das kann zum Problem werden, wenn sie eine neutrale Optik verunmöglicht. In der Regel fehlt diesen  Personen auch das fachliche Wissen, das vor allem bei komplexen  Sachverhalten notwendig ist.

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