Guter Lohn und trotzdem schlecht versichert

Basler Zeitung, 24.12.2015

Von Oliver Cazzonelli, Anlagenexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Führungskräfte haben besonders grosse Lücken

Gut verdienende Führungskräfte gehen in der Regel davon aus, dass sie in jeder Lebenslage abgesichert sind. Aber nicht alle Arbeitgeber finanzieren gute Versicherungsleistungen. Vor allem kleinere und junge Firmen beschränken sich auf die obligatorischen Mindestleistungen. Aber selbst Führungskräfte renommierter Grossfirmen haben oft erstaunliche Vorsorgelücken. Sie können dazu führen, dass sich die ganze Familie stark einschränken muss, wenn der Versicherte invalid wird, in Pension geht oder stirbt.

Das Leistungsziel der Sozialversicherungen orientiert sich an durchschnittlich Verdienenden. Erste und zweite Säule sollen die Fortsetzung des gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen - allerdings nur bis zu einem Jahreseinkommen von 84 600 Franken. Die obligatorische Unfallversicherung deckt Einkommen ab 2016 bis höchstens 148 200 Franken ab. Wer deutlich mehr verdient, ist mit den gesetzlichen Mindestleistungen deshalb unterversichert, wie ein Beispiel zeigt.

Ein 50-jähriger, verheirateter und kinderloser Angestellter verdient 170 000 Franken pro Jahr und ist nur minimal versichert. Wird er aufgrund einer Krankheit invalid, fällt sein Einkommen unter 50 000 Franken. Seine nicht erwerbstätige Frau und er müssen sich einschränken und ihr Haus verkaufen. Noch schlimmer sieht es für seine Frau aus, wenn er an den Folgen seiner Krankheit stirbt: Von AHV und Pensionskasse bekommt sie nur rund 35 000 Franken pro Jahr. Die Altersrente ist ebenfalls zu knapp: Rund 60 000 Franken genügen nicht, um den gewohnten Lebensstandard beizubehalten.

Grosse Prämienunterschiede

Arbeitgeber bieten Kadermitarbeitenden überobligatorische Versicherungen. Doch je mehr man verdient, desto grösser sind in der Regel die Vorsorgelücken. Wer beispielsweise 200 000 Franken verdient und 150 000 Franken Invalidenrente erhält, muss entscheiden, ob sich der gewohnte Lebensstandard auch mit 50 000 Franken weniger noch finanzieren lässt. Falls nicht, sollte die Lücke mit privaten Versicherungen geschlossen werden.

Eine Überprüfung der Vorsorgesituation ist besonders bei grösseren Veränderungen ratsam, etwa nach grösseren Lohnsprüngen, bei Heirat oder Scheidung, beim Kauf eines Eigenheims, einem Stellenwechsel oder der Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit - mindestens aber alle fünf Jahre. Lücken bei Tod und Invalidität lassen sich am besten mit reinen Todesfall- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen schliessen. Die Prämienunterschiede sind sehr gross. Es lohnt sich deshalb, von mehreren Versicherern eine Offerte einzuholen. Für die Altersvorsorge eignen sich besonders Einzahlungen in die Säule 3a und freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse, weil man dadurch zusätzlich noch Steuern sparen kann.

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