Gute Lösung für Patchwork-Familien

Basler Zeitung, 10.9.2015 

Von Laurent Buchs, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Nacherbschaft sichert das Vermögen in der Familie

Die gesetzliche Erbfolge ist auf klassische Familienverhältnisse ausgerichtet. Der überlebende Ehepartner und die leiblichen Kinder erhalten je die Hälfte des Nachlassvermögens. Immer öfter bringt aber mindestens ein Partner Kinder aus früheren Beziehungen in eine neue Partnerschaft oder Ehe ein.

Stiefkinder gehen leer aus, wenn sie nicht in einem Testament begünstigt wurden. Das Gleiche gilt für den Lebenspartner. Auch für Ehepaare ist die gesetzliche Erbfolge oft nicht ideal, denn der Erbanspruch der Kinder kann für den überlebenden Partner eine grosse finanzielle Belastung sein. Unter Umständen muss er sogar das Eigenheim verkaufen, um den Kindern ihren Anteil am Erbe auszuzahlen.

Viele Ehe- und Konkubinatspaare möchten sich gegenseitig bestmöglich absichern. Wenn Kinder aus früheren Beziehungen vorhanden sind, machen beide Partner am besten je ein Testament und setzen für die freie Quote den jetzigen Partner als Vorerben und die eigenen Kinder als Nacherben ein.

Bei ihrem Tod erhalten die Kinder dann nur ihre Pflichtteile; der Rest geht an den hinterbliebenen Partner. Erst nach dem Tod des Vorerben geht das, was von der freien Quote übrig ist, zurück an die Kinder. Setzt man keine Nacherben ein, bekommen die gesetzlichen Erben des überlebenden Partners dieses Geld, und die eigenen Kinder gehen leer aus.

Vermögen, das mit einer Nacherbschaft belastet ist, darf ein Vorerbe verwalten und die Erträge daraus behalten - verzehren darf er es nicht. Wer möchte, dass sein Partner frei über das Vorerbe verfügen kann, muss ihn in seinem Testament von der Sicherstellungspflicht befreien und die Nacherben auf den sogenannten Überrest setzen. Dann darf der Vorerbe zum Beispiel auch ein Haus verkaufen, ohne die Einwilligung der Kinder einzuholen.

Wer möchte, dass das Haus in der Familie bleibt, kann den überlebenden Partner nur für das liquide Vermögen als Vorerben einsetzen und ihm die Nutzniessung an der Liegenschaft einräumen.

Steuerlich interessant

Diese Lösung empfiehlt sich vor allem dann, wenn das Verhältnis zwischen dem aktuellen Partner und den eigenen Kindern gut ist. Als Nutzniesser kann der überlebende Partner weiterhin im Haus wohnen; er darf es auch vermieten und die Mietzinsen behalten. Wenn er es aber umbauen oder renovieren will, braucht er dafür das Einverständnis der Kinder, die Eigentümer der Liegenschaft sind. Bei einer Nutzniessung fallen zudem nur einmal Grundbuchgebühren an, weil das Eigentum an der Liegenschaft direkt an die Kinder übergeht.

Eine Nacherbschaft ist auch steuerlich interessant, weil in Basel-Stadt wie in den meisten anderen Kantonen das Verwandtschaftsverhältnis zum ursprünglichen Erblasser zählt, nicht das zum Vorerben. Im Gegensatz zu Stiefkindern sind leibliche Kinder in fast allen Kantonen von der Erbschaftssteuer befreit.

Das Einsetzen von Vor- und Nacherben hat zur Folge, dass das Erbschaftsamt beim Tod des Erblassers ein Inventar mit allen Vermögenswerten des Verstorbenen erstellen muss. Die Erstellung dieses Inventars kann einige Tausend Franken kosten.

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