Geldmarkt-Hypotheken bleiben beste Wahl

Basler Zeitung, 19.03.2015

Von Adrian Wenger, Leiter Key Clients Hypotheken beim VZ VermögensZentrum 

Festhypotheken sind teurer geworden, obwohl die Zinsen am Kapitalmarkt ins Minus gerutscht sind. Das liegt daran, dass die meisten Banken Festhypotheken mit Spareinlagen ihrer Kunden finanzieren, auf denen sie noch keine negativen Zinsen anwenden.

Wenn die Spargeldzinsen eines Tages ansteigen sollten, können die Banken die Zinsen auf ihren laufenden Festhypotheken nicht einfach nach oben anpassen.

Deshalb müssen sie sich gegen solche Zinsänderungsrisiken absichern. Anfang Jahr kostete die Absicherung einer zehnjährigen Festhypothek rund 0,6 Prozentpunkte. Zusammen mit der Marge der Bank von beispielsweise einem Prozent resultierte somit ein Preis für die Festhypothek von 1,6 Prozent. Seit Einführung der Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank ist die Prämie für die Zinsabsicherung gestiegen; für eine zehnjährige Festhypothek kostet sie 0,9 Prozent.

Auch Versicherer bieten Festhypotheken an. Sie finanzieren sie mit Vorsorgeguthaben, die langfristig gebunden sind. Deshalb tragen sie kein Zinsänderungsrisiko und können Hypotheken mit langen Laufzeiten deutlich günstiger anbieten. Dafür sind Hypotheken mit kurzen Laufzeiten teurer. Die günstigen Geldmarkt-Hypotheken bieten die Versicherer nicht oder erst ab einer Summe von einer Million Franken an.

Auf welches Modell sollte man heute setzen? Bleiben die Zinsen in den nächsten zehn Jahren tief oder steigen nur leicht, sind Geldmarkt-Hypotheken bis zu 0,7 Prozentpunkte pro Jahr günstiger als Festhypotheken. Sie kosten schon seit Jahren nur etwa ein Prozent und werden teurer, wenn der Libor- Zinssatz auf über null Prozent steigt. Festhypotheken schneiden am günstigsten ab, wenn die Zinsen in den kommenden Jahren stark steigen. Bei einem jährlichen Zinsanstieg um 0,5 bis 0,75 Prozentpunkte wären Geldmarkt-Hypotheken 0,5 Prozent pro Jahr teurer als eine zehnjährige Festhypothek, die heute zu 1,9 Prozent aufgenommen wird.

Wer alle drei Zinsszenarien als gleich wahrscheinlich einstuft, finanziert ein Drittel als langfristige Festhypothek und zwei Drittel am Geldmarkt. Risikofähige Hypothekarnehmer können alles mit Geldmarkt-Hypotheken finanzieren - wenn sie die Zinsentwicklung sorgfältig beobachten.

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