Gar keine so einfache Frage

Basler Zeitung, 02.04.2015 

Von Ersin Norkaya, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Die Zinsen auf Sparkonten sind so niedrig, dass Sparen unter dem Strich Geld kostet, wenn man alle Gebühren mit einrechnet.

Selbst wenn man sein Geld mit einer Obligation sehr lange bindet, ist das unter Berücksichtigung der Steuern auf den Zinserträgen sowie den Transaktions- und Depotgebühren oft ein Verlustgeschäft. Viele Hausbesitzer überlegen sich deshalb, ob sie mit dem verfügbaren Geld ihre Hypothek amortisieren sollen.

Eine tiefere Hypothek führt jedoch zu einer höheren Steuerbelastung, weil man weniger Schuldzinsen vom steuerbaren Einkommen abziehen kann. Die Zinsersparnis, die eine Amortisation einbringt, reduziert sich bei einer Hypothek, für die man 1,5 Prozent Zinsen zahlt, bei einem Grenzsteuersatz von 33 Prozent auf netto 1 Prozent.

Aufstocken nicht immer möglich

Nach einer Amortisation ist das Kapital zudem im Eigenheim gebunden. Wer die Hypothek später wieder aufstocken möchte, kann dies unter Umständen nicht mehr oder nur unter erschwerten Bedingungen tun. Besonders schwierig ist eine Aufstockung für Hausbesitzer, die kurz vor der Pensionierung stehen oder bereits pensioniert sind. Viele Banken verweigern älteren Kreditnehmern eine weitere Verschuldung, auch wenn sie sich die höhere Hypothek bei den aktuell sehr tiefen Hypothekarzinsen problemlos leisten könnten.

Die langfristige Tragbarkeit einer Hypothek ist für die Banken nur dann gegeben, wenn die Eigenheimkosten auch bei einem Hypothekarzins von fünf Prozent zusammen mit den Kosten für den Unterhalt der Liegenschaft höchstens ein Drittel der regelmässigen Einkünfte ausmachen. Nach der Pensionierung können Hausbesitzer oft keine ausreichenden festen Einkünfte mehr vorweisen. Das Geld, das im Eigenheim gebunden ist, fehlt ihnen dann für unvorhergesehene Ausgaben.

Finanziell absichern 

Wer die Hypothek amortisiert, sollte immer eine ausreichende Reserve zurückbehalten, auf die man problemlos zurückgreifen kann, wenn zum Beispiel eine Renovation ansteht oder wenn man pflegebedürftig wird. Pensionierte können das verfügbare Geld auch nach und nach aufbrauchen und so ihr laufendes Einkommen aufbessern, statt es für eine Amortisation einzusetzen. Ein Guthaben von 250 000 Franken zum Beispiel reicht aus, um sich 25 Jahre lang eine Zusatz-Rente von 10000 Franken auszuzahlen, selbst wenn das Guthaben keinen Ertrag abwirft.

Wenn ein grosser Teil des Vermögens eines Ehepaars im Eigenheim gebunden ist, dann ist es besonders wichtig, dass sich die Ehepartner gegenseitig finanziell absichern im Todesfall. Sonst muss der überlebende das Eigenheim womöglich verkaufen, um die anderen Erben auszuzahlen.

Ohne rechtzeitige Vorkehrungen steht den Kindern die Hälfte des Nachlassvermögens ihres verstorbenen Elternteils zu. Der Erbanteil der Kinder und ihrer Nachkommen lässt sich mit einem Ehevertrag, Testament oder Erbvertrag deutlich reduzieren. Es hängt von der Zusammensetzung des ehelichen Vermögens ab, ob eine dieser Möglichkeiten oder eine Kombination davon die sinnvollste Lösung darstellen.

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