Frühpensionierung wegen Jobverlust

Basler Zeitung, 05.02.2015

Von Thomas Muggler, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel  

Unternehmen bauen häufig Stellen ab, indem sie ältere Mitarbeitende in die Frühpension entlassen.

Eine Entlassung wenige Jahre vor der Pensionierung kann sich allerdings verheerend auswirken auf die finanzielle Situation im Alter, wenn man keinen neuen Arbeitsplatz mehr findet. Die Betroffenen müssen umgehend wichtige Entscheide fällen, damit ihr Einkommen im Ruhestand nicht deutlich kleiner ausfällt.

Einer der wichtigsten Entscheide betrifft das PK-Guthaben. Bei vielen Pensionskassen liegt das früheste mögliche Pensionsalter bei 58 oder 60 Jahren. Wer zum Zeitpunkt der Kündigung dieses Alter erreicht hat, kann zwischen einer vorzeitigen Altersleistung und einer Austrittsleistung wählen.

Wenn man Pensionskassenleistungen vorzeitig bezieht, fällt die Rente entsprechend kleiner aus. Die meisten Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionierten um fünf bis sieben Prozent pro Vorbezugsjahr. Ein Versicherter, der mit 60 statt 65 in Rente geht, erhält folglich 25 bis 35 Prozent weniger Rente. Bei einem vorzeitigen Bezug des Pensionskassenkapitals oder der Rente fallen auch die Taggelder der Arbeitslosenversicherung tiefer aus, weil sie die Arbeitslosenkasse als Einkommen anrechnet.

Steuerlich sinnvolle Gründe

Entscheidet sich der Versicherte für die Austrittsleistung, kann er sein Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto überweisen lassen. Bei einer Freizügigkeitsstiftung lässt sich das Guthaben nicht als Rente, sondern nur als Kapital auszahlen. Dafür kann man den Bezug des Guthabens bis 70 aufschieben (Frauen bis 69), was aus steuerlichen Gründen sinnvoll ist. Die Zinsen und Dividendenerträge auf Freizügigkeitskonten muss man nämlich nicht als Einkommen versteuern, das Guthaben nicht als Vermögen.

Wer sich die Option des Rentenbezugs offenhalten will, kann sein Geld an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG des Bundes überweisen oder mitdem ausbezahlten Guthaben bei einem Versicherer eine Leibrente kaufen. Die Auffangeinrichtung richtet nur Renten für das obligatorische Pensionskassenkapital aus, und man muss sich innert 90 Tagen seit der Erwerbsaufgabe bei dieser Einrichtung anmelden.

Hohe Steuern vermeiden

Manche Arbeitgeber federn die finanziellen Auswirkungen einer unfreiwilligen Frühpensionierung mit einer Abgangsentschädigung ab. Entschädigungen mit Vorsorgecharakter werden zum reduzierten Satz für Kapitalauszahlungen der zweiten Säule und der Säule 3a besteuert, Abfindungen ohne Vorsorgecharakter hingegen wie gewöhnliches Einkommen

Der Vorsorgecharakter einer Abfindung ist gegeben, wenn der Frühpensionierte mindestens 55 Jahre alt ist, seine Haupterwerbstätigkeit definitiv aufgibt und wenn wegen der Frühpensionierung eine Vorsorgelücke entsteht. Wenn man eine Kapitalabfindung normal als Einkommen versteuern muss, kann es sinnvoll sein, den Betrag nach Möglichkeit in die Pensionskasse einzuzahlen. Dadurch wird die Abfindung steuerlich neutralisiert.

Nach einem freiwilligen Einkauf dürfen allerdings drei Jahre lang keine Kapitalbezüge von Pensionskassenguthaben erfolgen. Für Bezüge in Form einer Rente gilt diese Sperrfrist nicht.

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