Franken-Freigabe: Die Folgen für Anleger

Basler Zeitung, 12.02.2015

Ersin Norkaya, Anlageexperte beim VZ VermögensZentrum, Basel

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses zum Schweizer Franken hat zwei einschneidende Effekte gehabt. Erstens wertete sich die heimische Währung schlagartig auf, wodurch ausländische Vermögenswerte in Schweizer Franken gerechnet an Wert verloren haben. Dieser einmalige Effekt lässt sich nicht korrigieren, Schweizer Anleger müssen die tiefere Neubewertung hinnehmen.

Zweitens ändern die mittelfristigen Wachstumsperspektiven. Die Konkurrenzfähigkeit von Schweizer Unternehmen sinkt. So erzielen etwa der Finanzsektor, das Gesundheitswesen und die Industrie ihre Umsätze überwiegend im Ausland, während ihre Kosten je nach Unternehmen in Franken anfallen. Bis die Unternehmen ihren Währungsnachteil durch Innovation und höhere Produktivität wettmachen können, dürften Monate oder gar Jahre vergehen. Schweizer Anleger sollten diese Veränderung zum Anlass nehmen, ihre Depotstruktur zu überdenken.

Der Schweizer Aktienmarkt wird sich noch eine gewisse Zeit in der Phase einer Neubewertung befinden, bis die Auswirkungen des erstarkten Frankens auf die Gewinne absehbar sind. Der SMI dürfte 2015 weniger kräftig zulegen als andere Börsenbarometer.

Allerdings leiden nicht alle Schweizer Unternehmen gleich stark unter dem Währungseffekt. Acht der 20 im SMI gelisteten Unternehmen rapportieren ihre Zahlen ohnehin in Fremdwährung.

Und bei einigen Konzernen fällt nur ein kleiner Teil der Kosten in Schweizer Franken an. Die Titelselektion nimmt vor diesem Hintergrund an Bedeutung zu.

Unsichere Euro-Anlagen

Ausländische Unternehmen sind nicht betroffen von der Freigabe des Schweizer Frankens. Im Gegenteil, ihre Produkte sind nun wettbewerbsfähiger als jene der Schweizer Konkurrenz. Der Portfolioanteil in ausländischen Aktien gewinnt daher an Attraktivität. Anleger müssen sich aber bewusst sein, dass die Fremdwährungen zum Franken wieder wesentlich stärker schwanken können.

Vor allem Euro-Anlagen haben damit einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor. Analog zu Aktien dürften auch Schweizer Anleihen weiter an Attraktivität verlieren. Eidgenössische Staatsobligationen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren weisen momentan gar eine negative Verfallrendite aus. Anleihen in Euro und US-Dollar rentieren etwas besser, unterliegen aber einem Währungsrisiko.

Die USA etwa könnten im Lauf des Jahres mit Leitzinserhöhungen beginnen und die Kurse von Anleihen in US-Dollar dadurch unter Druck geraten. Anleger sind gut beraten, wenn sie den Obligationenanteil tief halten, Staatsanleihen meiden und Unternehmensanleihen mit guter Bonität und kurzen Laufzeiten bevorzugen. Als Alternative zu klassischen Obligationen bieten sich Wandelanleihen an. Die Anlageklasse ist mittelfristig attraktiv dank tiefer Zinssensitivität und Aktienmarktpartizipation.

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