Fallstricke bei der Nachlassplanung

Der Schweizerische Hauseigentümer, 1.6.2015

Von Frank Frey, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum

Wer soll erben, und wie viel? Falsche Annahmen und Formulierungen können die Absichten von Erblassern zunichte machen.

Ohne Vorkehrungen bestimmt das Gesetz, wer wie viel erbt. Diese Aufteilung ist oft nicht ideal. Mit einer Nachlassplanung kann man dafür sorgen, dass das eigene Vermögen so weitergegeben wird, wie man es sich wünscht. Dabei sollte man den folgenden Fallstricken aus dem Weg gehen.

Keine Pflichtteile verletzen

Die Aufteilung des Vermögens darf nicht gegen Pflichtteile verstossen, sonst können die Benachteiligten das Testament bei der Erbteilung vor Gericht anfechten. Bei einem Ehepaar mit Kindern beträgt der Pflichtteil des Ehepartners zwei Achtel, jener der Kinder drei Achtel. Nur die restlichen drei Achtel lassen sich in diesem Fall frei vererben. Wenn keine Kinder da sind, haben auch die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil von einem Achtel des Vermögens. Wichtig: Die Pflichtteile von Kindern, die schon vor dem Erblasser gestorben sind, gehen auf ihre Nachkommen über.

Liegenschaften fliessen bei der Erbteilung zu ihrem Verkehrswert am Todestag in die Berechnung der Pflichtteile ein, nicht etwa zum Steuerwert oder zu einem Wert, den der Erblasser festgelegt hat. Auch bei einem Erbvorbezug müssen die Pflichtteile gewahrt bleiben. Schenkt etwa ein Vater sein ganzes Vermögen zu Lebzeiten seiner Tochter, kann der übergangene Sohn seinen Anteil nach dem Tod des Vaters von der Schwester einfordern.

Bewertungsgrundsätze bei Liegenschaften

Zwischen dem Erblasser und seinen Erben kann ein Erbvertrag abgeschlossen werden. Anders als ein Testament ist ein Erbvertrag für alle Parteien bindend. Nachträgliche Änderungen sind nur möglich, wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind. Oft werden im Erbvertrag wichtige Themen vergessen wie zum Beispiel ein Pflegefall, ein Wegzug ins Ausland, eine Wiederheirat des  überlebenden Ehepartners oder die Bewertung von Vermögensbestandteilen, deren Wert sich nicht ohne Weiteres ermitteln lässt.

Für Firmen und Immobilien etwa empfiehlt es sich, Bewertungsgrundsätze im Erbvertrag festzulegen. So kann der Erblasser zum Beispiel bestimmen, dass bei Liegenschaften auf den Mittelwert von zwei professionellen Schätzungen abgestellt wird. Wichtig ist zudem, den Ausgleich von Erbvorbezügen klar zu regeln - besonders wenn der Erblasser möchte, dass der Begünstigte den Vorbezug bei der Erbteilung nicht ausgleichen muss. Im Fall einer Schenkung einer Liegenschaft wünscht der Erblasser oft keinen vollständigen Ausgleich.

Regeln lässt sich auch eine Gewinnbeteiligung, zum Beispiel wenn eines der Kinder die Liegenschaft bekommt und sie später verkauft. Der Erblasser kann in so einem Fall im Erbvertrag festlegen, dass der Verkaufsgewinn gleichmässig unter allen Kindern aufgeteilt wird.

Regelungen periodisch überprüfen

Wer seinen Nachlass regelt, hat seine aktuelle persönliche und finanzielle Situation vor Augen. An diesen Rahmenbedingungen kann sich im Lauf der Zeit vieles ändern. Eine Regelung, die früher sinnvoll war, entspricht heute vielleicht nicht mehr den eigenen Wünschen. Oder die Lebensumstände haben sich inzwischen so stark verändert, dass die Nachlassregelung angepasst werden muss. Darum ist es ratsam, letztwillige Verfügungen etwa alle fünf Jahre zu überprüfen.

Wenn zum Beispiel eine vor Jahrzehnten geschlossene Vereinbarung zwischen Ehepartnern vorsieht, alles dem Partner zukommen zu lassen, inzwischen aber Kinder vorhanden sind, funktioniert die ursprüngliche Regelung nicht mehr. Das Gleiche gilt für eine nung, die einstwegen der Aufnahme einer selbstiandigen Tätigkeit vereinbart wurde. Wenn beide Ehepartner inzwischen pensioniert sind und die Vermögen sich über die Jahre stark vermischt haben, sollte auch der Ehevertrag angepasst werden.

Einen unabhängigen Willensvollstrecker bestimmen

Oft genügt ein Testament allein nicht, damit der letzte Wille des Erblassers tatsächlich in seinem Sinn vollstreckt wird. Ein Willensvollstrecker sorgt dafür, dass die Anordnungen des Erblassers so umgesetzt werden, wie er sich das gewünscht hat.

Der Willensvollstrecker ist auch eine grosse Hilfe für die Hinterbliebenen. Er entlastet sie in der Zeit der Trauerverarbeitung von administrativen Aufgaben und kümmert sich bis zur Erbteilung um die Verwaltung des Nachlassvermögens.

Grundsätzlich ist jede Person oder Institution befugt, das Amt eines Willensvollstreckers auszuüben. Eine unabhängige Institution, die sich mit Geldanlagen, Steuern, Immobilien, Versicherungen und Erbrecht auskennt, ist in der Regel aber die beste Wahl. Den Lebenspartner oder einen befreundeten Treuhänder oder Anwalt einzusetzen, kann problematisch sein: Wenn sie vor oder während der Erbteilung sterben, sind die Erben auf sich allein gestellt.

Auch Erben sind als Willensvollstrecker ungeeignet. Sie haben immer auch Eigeninteressen, die eine neutrale Einschätzung erschweren, wenn es zu Streitigkeiten unter den Erben kommt.

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