Erwerbstätigkeit nach dem ordentlichen Rentenalter

Neue Luzerner Zeitung, 24.07.2015

Ich (m, 64) erreiche im November 2015 das ordentliche AHV-Rentenalter. Auf meinen Wunsch hin habe ich mit meinem Arbeitgeber abgesprochen, dass ich weiterhin im Betrieb angestellt bleibe. Ich frage mich nun, wann ich meine Altersrenten (AHV und Pensionskassen) erhalte und ob ich beim Bezug flexibel bin. Darf ich nach Alter 65 weiterhin Säule-3a-Beiträge leisten?
G.H. aus L.

Von Philipp Hostettler, Senior Consultant VZ VermögensZentrum Luzern

Wenn Sie nach dem regulären Pensionierungsalter weiterhin erwerbstätig sind, stellt sich die Frage, wann Sie Ihre Altersrenten aus der AHV und Pensionskasse beziehen möchten. Wenn Sie für Ihren Lebensunterhalt nicht auf Ihre Altersrenten angewiesen sind, führt die Verbindung von Rentenund Erwerbseinkommen zu unnötig hohen Einkommenssteuern. Darum kann es sinnvoll sein, den Bezug der Renten aufzuschieben.

Aufschub der AHV-Rente?

Bei der AHV-Rente können Sie den Aufschub der Rente bei der Ausgleichskasse beantragen. Die minimale Aufschubdauer beträgt ein Jahr, die maximale fünf Jahre. Sie brauchen sich dabei nicht auf eine definitive Aufschubdauer festzulegen: Wenn die Mindestdauer von einem Jahr abgelaufen ist, können Sie die Rente jederzeit abrufen. Der Aufschub Ihrer AHV-Rente erhöht diese prozentual. Ein Aufschub um ein Jahr führt zu einer um 5,2 Prozent höheren Rente, bei fünf Jahren 31,2 Prozent. Falls Sie Ihre AHV-Rente aufschieben möchten, müssen Sie die AHV-Ausgleichskasse innerhalb eines Jahres nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters darüber informieren. Sobald Ihnen jedoch die Rente mit rechtskräftiger Verfügung zugesprochen wurde oder Sie die Rentenzahlungen ohne Widerspruch entgegengenommen haben, ist ein Aufschub der Rente nicht mehr möglich.

Pensionskasse

Die meisten Pensionskassen bieten ihren Versicherten hei einer weiterführenden Tätigkeit ebenfalls die Möglichkeit an, die Reisten aufzuschieben. Dadurch steigt der Umwandlungssatz, mit dem die Pensionskasse das Altersguthaben in eine Rente umrechnet. Je nach Pensionskasse zahlt man auch weiterhin Beiträge ein, was die Rente zusätzlich erhöht.

Viele Pensionskassen erlauben auch den Aufschub eines Teils der Altersleistungen. Wenn Sie mit Alter 65 das Arbeitspensum zum Beispiel auf 50 Prozent reduzieren, ist es unter Umständenmöglich, die Hälfte des Altersguthabens im Alter 65 zu beziehen und den Rest hei der definitiven Erwerbsaufgabe.

Diese Option ist insbesondere bei (Teil-)Kapitalbezügen des Altersguthabens steuerlich interessant. Da die Kapitalauszahlungssteuer progressiv ausgestaltet ist, fallen bei Teilbezügen des Altersguthabens insgesamt weniger Steuern an als bei einem einmaligen Bezug des gesamten Kapitals. Ob und unter welchen Voraussetzungen die Pensionskasse nach dem ordentlichen Rentenalter weitergeführt werden kann, gilt es vorgängig bei Ihrer Pensionskasse abzuklären.

Säule-3a-Beiträge

Falls Sie nach dem ordentlichen Pensionierungsalter weiterhin ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen erzielen, dürfen Sie weiterhin Säule-3a- Einzahlungen tätigen. Männer dürfen die 3a-Beiträge längstens bis Alter 70, Frauen bis Alter 69 leisten. Die Beiträge sind aktuell auf 6768 Franken pro Jahr beschränkt, falls gleichzeitig Beiträge in eine Pensionskasse gezahlt werden. Erwerbstätige, die keine Beiträge mehr zahlen, dürfen in der Regel bis zu 20 Prozent ihres jährlichen Nettoeinkommens in die Säule 3a einzahlen, maximal aber 33 840 Franken.

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