Erbe: Wie können wir uns gegenseitig begünstigen?

Neue Luzerner Zeitung, 20.02.2105

Ratgeber: Wir sind ein Ehepaar (50 und 52) und haben drei minderjährige Kinder. Unser selbst bewohntes Einfamilienhaus ist im Grundbuch zu je 1/2 Miteigentum registriert, ist aber mehrheitlich aus dem Eigengut meiner Frau finanziert worden. Was geschieht, wenn ein Elternteil stirbt? Können wir ein gemeinsames Testament errichten und den Ehepartner als Alleinerben einsetzen?

Von Michael Imbach, Berater beim VZ VermögensZentrum Luzern

Bei der gesetzlichen Erbfolge ohne Regelung erhalten sowohl der überlebende Ehegatte als auch die Kinder je die Hälfte des Nachlassvermögens. Mit einem Testament kann die gesetzliche Erbquote angepasst werden. Völlig freie Hand lässt einem das Gesetz dabei aber nicht. Es schreibt vor, dass bestimmte Personen einen Mindestanteil am Erbe erhalten, den sogenannten Pflichtteil.

Der überlebende Ehegatte und die Nachkommen gehören zu den pflichtteilgeschützten Erben. Der Pflichtteil des überlebenden Ehegatten beträgt 1/4, derjenige Ihrer Kinder 3/8 des Nachlassvermögens. Sie haben also die Möglichkeit, Ihre Kinder testamentarisch auf den Pflichtteil zu setzen und die freie Quote von 3/8 dem überlebenden Ehegatten zuzuweisen.

Im Sinne einer Teilungsvorschrift können Sie die Liegenschaft dem überlebenden Ehegatten zuteilen. Dies aber nur unter Einhaltung der gesetzlichen Pflichtteile (Ausgleichung über übrige Vermögenswerte). Um den überlebenden Ehegatten finanziell abzusichern und einen Liquiditätsengpass aufgrund Liegenschaftsbesitzes (Ausgleichung des Pflichtteils mit Geld) zu verhindern, gibt es verschiedene Optimierungsmöglichkeiten.

Ein beliebtes Instrument zur finanziellen Absicherung des Ehepartners ist eine güterrechtliche Massnahme. Denn das Güterrecht bestimmt, welche Vermögenswerte in den Nachlass fallen.

Güterrechtliche Massnahmen
Bei der Errungenschaftsbeteiligung, für die sich die meisten Ehepaare entscheiden, wird das eheliche Vermögen in Eigengut und Errungenschaft aufgeteilt. Das Eigengut umfasst alles, was ein Ehegatte in die Ehe eingebracht beziehungsweise während der Ehe geerbt oder geschenkt bekommen hat.

Alles, was sie während ihrer Ehe gemeinsam erwirtschaften, ist Errungenschaftsvermögen und gehört beiden Ehepartnern je zu gleichen Teilen. Mittels Ehevertrag lässt sich regeln, dass die gesamte Errungenschaft dem überlebenden Ehegatten zugewiesen wird (Vorschlagszuweisung). Diese Variante schmälert das Nachlassvermögen und somit auch den Pflichtteilsanspruch der Kinder. Neben güterrechtlichen Vorkehrungen bestehen Möglichkeiten bei der Vergabe von Wohn- oder Nutzniessungsrechten am Haus.

Welche Massnahme in Ihrem konkreten Fall sinnvoll ist, gilt es von einem Nachlassexperten aufgrund Ihrer gesamten Vermögenssituation zu überprüfen.

Gemeinsames Testament ungültig

Beim Verfassen eines Testamentes sind folgende Punkte zu beachten: Das Testament muss vollständig von Hand geschrieben, mit dem genauen Datum versehen und unterschrieben sein. Ein gemeinsames Testament für Ehepaare ist ungültig, da das schweizerische Erbrecht die Form eines gemeinschaftlichen Testaments nicht vorsieht. Das Testament sollte zudem an einem sicheren Ort oder bei einer zuverlässigen Stelle hinterlegt sein, damit es im Todesfall auch gefunden wird.

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