Entlassung: Frühpensionierung oder Freizügigkeitskonto?

Neue Luzerner Zeitung, 1.9.2015

Ratgeber: Ich (m, 61 Jahre) habe letzten Monat aus wirtschaftlichen Gründen die Kündigung erhalten. Ich frage mich, ob ich in meinem Alter überhaupt noch eine Stelle finde. Soll ich mich frühpensionieren lassen oder das PK-Geld auf ein Freizügigkeitskonto überweisen lassen? Was sind die finanziellen Auswirkungen der jeweiligen Lösung?

Thomas Frick, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Zug

Eine Entlassung wenige Jahre vor der ordentlichen Pensionierung führt zu erheblichen finanziellen Auswirkungen, insbesondere dann, wenn man keinen neuen Arbeitsplatz mehr findet. Ein wichtiger Punkt im Zusammenhang mit der finanziellen Situation nach der Entlassung ist das Pensionskassenguthaben.

Frühpensionierung bei Jobverlust

Bei vielen Pensionskassen liegt das frühestmögliche Pensionsalter bei 58 oder 60 Jahren. Da Sie dieses Alter erreicht haben und Ihnen aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Altersleistungen als Rente oder Kapital vorzeitig zu beziehen oder das Geld als Kapital auf ein Freizügigkeitskonto überweisen zu lassen.

Falls Sie sich für die Frühpensionierung entscheiden: Aufgrund der fehlenden Beitragsjahre bis Alter 65 fällt sowohl das Alterskapital als auch die Rente geringer aus. Die meisten Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionierten um 5 bis 7 Prozent pro Vorbezugsjahr. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kasse nach den genauen Bedingungen.

Da Ihnen aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde und Sie weiter arbeiten möchten, können Sie sich bei der RAV anmelden. Die Taggelder der Arbeitslosenversicherung werden jedoch gekürzt, weil das Altersguthaben als Einkommen angerechnet wird. Dabei spielt die Bezugsform (Rente oder Kapital) keine Rolle, da die Arbeitslosenkasse bei der Kapitaloption das bezogene Kapital rechnerisch in eine Altersrente umwandelt.

Freizügigkeitskonto

Sie können aber das Pensionskassenguthaben auch als Freizügigkeitsleistung beziehen, was mit Vor-, aber auch mit Nachteilen verbunden ist. Dazu wird von den Vorsorgeeinrichtungen in der Regel eine Bestätigung verlangt, dass Sie weiterhin arbeitssuchend sind. Dies kann z. B. in Form einer RAV-Anmeldung erfolgen. In diesem Fall können Sie Ihr Altersguthaben auf ein Freizügigkeitskonto überweisen lassen.

Die damit verbundenen Vorteile sind: In diesem Fall werden Ihnen die Taggelder der Arbeitslosenkasse nicht gekürzt.

Dazu können Sie den Bezug des Guthabens bis zum 70. Altersjahr aufschieben, vorausgesetzt, Sie haben weiterhin ein AHV-pflichtiges Einkommen. Der Aufschub wirkt sich steuerlich vorteilhaft aus, da sowohl die Zinsen und Dividendenerträge als auch das Guthaben innerhalb der Freizügigkeit steuerfrei sind. Der Nachteil: Bei einer Freizügigkeitsstiftung lässt sich später aber das Guthaben nicht als Rente, sondern nur als Kapital auszahlen, falls Sie keine Stelle mit Anschluss an eine neue Pensionskasse mehr finden.

Wie Sie sehen, müssen Sie Ihre persönliche Situation genau analysieren, damit Sie das Beste aus der an sich unerfreulichen Lage herausholen können.

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