Eingetragene Partnerschaft – und was dann?

display, 1.6.2015

Wer seine Partnerschaft eintragen lässt, zahlt unter Umständen höhere Steuern. Was kann man dagegen tun? Jonas Schneider vom VZ VermögensZentrum gibt Auskunft.

DISPLAY: Jonas, welches sind die Vorteile einer eingetragenen Partnerschaft?

Jonas Schneider: Sicher einmal die Absicherung des Partners. Zudem können die Partner einander gesetzlich vor Behörden vertreten. Nicht zuletzt haben sie im Spital  das Recht, zu erfahren, wie es ihrem Partner geht und dürfen ihn besuchen.

Zudem sind Erbschaften und Schenkungen innerhalb einer eingetragenen  Partnerschaft steuerfrei.

Das ist bei einem Konkubinatspaar ja nicht der Fall...

Nein, wenn einer der beiden Konkubinatspartner stirbt, können für den überlebenden Partner je nach Kanton massive Erbschaftssteuern anfallen.

Nun ja, das Ableben ist nicht unbedingt der erste Gedanke, wenn man seine Partnerschaft offiziell eintragen lassen will...

Gewiss, aber wichtig ist es trotzdem. Schliesslich will niemand, dass der überlebende Partner finanziell ruiniert wird. Besonders bedeutsam ist die Eintragung der  Partnerschaft, falls Kinder aus einer früheren Beziehung da sind. Sie profitieren auch. Denn sie gelten dann als Stiefkinder des Partners und sind in der Hälfte der Kantone von der Erbschafts- oder Schenkungssteuer befreit.

Zu Lebzeiten ist die Verpartnerung ja aus steuerlicher Sicht ein Nachteil. Denn wenn  beide gut  verdienen, wird der Lohn in der gemeinsamen Steuererklärung zusammengezählt und man bezahlt wegen der Progression mehr Steuern.

In der Tat: Bei zwei gut Verdienenden rutscht man unter Umständen in eine höhere Progressionsstufe. Das muss jedoch nicht zwingend so sein. Je ungleicher die beiden Einkommen sind, desto weniger müssen die beiden in der Regel zahlen. Unter Umständen sogar weniger als Konkubinatspaare.

Kann man die höheren Steuern irgendwie verhindern?

Ja, zum Beispiel mit Einzahlungen in die Säule 3a. Oder durch Einkäufe in die Pensionskasse. Bei der späteren Auszahlung von Guthaben aus der Pensionskasse  und der Säule 3a profitieren eingetragene Paare wieder, denn sie zahlen den  günstigeren Steuertarif, der für Verheiratete gilt. Immobilienbesitzer können auch Steuern sparen, indem sie renovieren, vor allem in Jahren, in denen sie sehr gut verdienen. Die Renovationskosten können von den Steuern abgezogen werden.

Wenn zwei sich verpartnern, werden ihre Einkommen addiert und man bezahlt unter Umständen mehr Steuern. Dieser Fakt heisst im Volksmund Heiratsstrafe. Nun will ja die CVP diese Heiratsstrafe mit einer Initiative abschaffen...

Ja, aber unglücklicherweise ist diese Intitiative mit einer Definition der Ehe als Verbindung von Mann und Frau verknüpft. Deshalb lehnen Schwulenorganisationen die Initiative ab. Auf der politischen Ebene liefen zwar Bestrebungen dahin, dass auch eingetragene Partnerschaften entlastet werden. Dies hat der Ständerat jedoch abgelehnt

Das Ganze ist ohnehin zweischneidig: Würden die Ehepaare steuerlich entlastet, hätte dies massive Steuerausfälle zur Folge. Diese muss jemand bezahlen. Und das wären vermutlich die Singles, das heisst, auch viele Gays.

Stichwort AHV: Hier erhalten eingetragene Partner wie Ehegatten zusammen nur 150 Prozent Rente statt 200 Prozent. Sollte man diesen Missstand nicht beseitigen?

Sicher wäre dies wünschenswert. Hier besteht jedoch das gleiche Problem: Würde dies geändert und die Ehepaarrente auf 200 Prozent erhöht, entstünde in der  AHV-Kasse ein Loch. Zahlen würden wohl auch hier die Singles.

Am 14. Juni stimmen wir über die Erbschaftssteuer ab. Diese soll ja mithelfen, das Loch in der AHV-Kasse zu stopfen...

Die Erbschaftssteuer ist umstritten, eine Umverteilung von oben nach unten bringt. Allerdings brächte sie für Konkubinatspaare eine Verbesserung. Heute zahlt der überlebende Partner zum Teil massiv Erbschaftssteuern. Im Kanton Zürich fallen für ein Erbe von 200'000 Franken fast 29'000 Franken Erbschaftssteuern an.

Nach Annahme der Initiative würden solche Erbschaften bis zu einem Betrag von zwei Millionen steuerfrei.

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