Ein früherer Bezug der AHV-Rente lohnt sich selten

Der Schweizerische Hauseigentümer, 15.06.2015

Gerade wenn ein Ehepartner noch arbeitet, ist es wichtig, einen allfälligen Vorbezug genau durchzurechnen. Das Erwerbseinkommen und die vorbezogene Rente könnten zusammen eine hohe Steuerprogression auslösen.

AHV-Renten kann man höchstens ein oder zwei Jahre vor dem regulären Rentenalter beziehen; Frauen frühestens mit 62 Jahren, Männer mit 63 Jahren. Die Anmeldung zum Rentenvorbezug muss man spätestens im Monat vor seinem Geburtstag bei der AHV einreichen. Danach ist ein Vorbezug erst wieder ab dem folgenden Geburtstag möglich. Ein Vorbezug um ein Jahr führt zu einer lebenslänglichen Rentenkürzung von 6,8 Prozent. Bei einem Vorbezug um zwei Jahre schrumpft die Rente um 13,6 Prozent.

Wer früh stirbt, profitiert

Es hängt in erster Linie von der Lebenserwartung ab, ob sich ein Vorbezug finanziell lohnt. Angenommen, ein alleinstehender Frühpensionär bezieht seine Rente mit 64 statt mit 65 Jahren. Wenn er Anrecht auf die Maximalrente hat, erhält er dadurch nur 26 280 Franken statt 28 200 Franken jährlich. Der Vorbezug zahlt sich aus, wenn der Rentner relativ früh stirbt, zum Beispiel schon mit 70 Jahren. Bis zu seinem Tod bezieht er in diesem Fall AHV-Renten von insgesamt 157680 Franken.

Beim regulären Bezug ab 65 wären es bis zu diesem Zeitpunkt nur 141 000 Franken. Bei rund 79 Jahren kippt die Rechnung: Ab diesem Alter ist die Summe aller AHV-Renten höher, wenn die Rente erst ab 65 ausbezahlt wurde. Die Lebenserwartung eines 65-jährigen Mannes liegt heute bei rund 83 Jahren. Der Vorbezug lohnt sich also nur für Rentner, die von einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung ausgehen.

Steuern und andere Kriterien einbeziehen

Den Entscheid für oder gegen einen Vorbezug sollte man nicht allein von der Einschätzung der Lebenserwartung abhängig machen. Wichtig sind auch die persönliche Einkommens-, Vermögens- und Steuersituation. AHV-Renten sind vollumfänglich als Einkommen zu versteuern. Genau durchzurechnen ist ein Vorbezug zum Beispiel, wenn der Ehepartner noch arbeitet. Sein Erwerbseinkommen und die vorbezogene Rente könnten zusammen eine so hohe Steuerprogression auslösen, dass die zusätzliche Steuerlast die Vorteile des Vorbezugs zunichte machen.

Ein Vorbezug hat unter Umständen auch höhere AHV-Beiträge zur Folge, die Frühpensionierte zahlen müssen, bis sie ihr gesetzliches Rentenalter erreichen. Diese AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige bemessen sich am Vermögen und  Renteneinkommen.

Überbrückungsrente prüfen

Viele Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine sogenannte AHV-Überbrückungsrente an, mit der sie einen Vorbezug der AHV-Rente umgehen können. Die Überbrückungsrente wird so lange ausbezahlt, bis der Frühpensionierte das ordentliche Pensionsalter erreicht.

Der Bezug einer Überbrückungsrente ist vor allem dann interessant, wenn sich der Arbeitgeber an der Finanzierung beteiligt. Oft müssen die Frühpensionierten die Überbrückungsrente aber selbst finanzieren. Die ausbezahlten Renten werden vom Pensionskassenguthaben abgezogen, was zu einer tieferen Altersrente führt.

Wie ein Vorbezug der AHV-Rente kann auch eine Überbrückungsrente zu höheren AHV-Beiträgen führen. Frühpensionierte, denen die Pensionskassenrente nicht zum Leben reicht, überbrücken die Zeit bis zur ordentlichen Pensionierung in der Regel am besten mit privaten Ersparnissen. Das können zum Beispiel die dritte Säule, Guthaben auf Sparkonten oder liquide Wertschriftenvermögen sein. Säule-3a-Guthaben kann man sich schon fünf Jahre vor  Erreichen des AHV-Alters auszahlen lassen.

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