Ehe oder Konkubinat: Was sind die Vor- und Nachteile?

Neue Luzerner Zeitung, 23.10.2015

Ratgeber:  Ich (61, m) lebe im Konkubinat und habe keine
Kinder. Im Hinblick auf die nahende Pensionierung mache ich mir Gedanken über die finanzielle Absicherung meiner jüngeren Partnerin (52). Dabei frage ich mich, ob eine Heirat sinnvoll ist, um sie im Alter finanziell abzusichern. Welche Unterschiede gibt es bei der AHV, Pensionskasse und bei der Nachlassplanung zu berücksichtigen?

Von Christian Marbot, Niederlassungsleiter VZ VermögensZentrum in Sursee

Heiraten oder nicht? Neben religiösen Ansichten, Wertvorstellungen oder Romantik nimmt auch der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle zur Beantwortung dieser Frage ein.

Unterschiedliche Steuerprogression

Das Einkommen und Vermögen von Ehegatten ist in einer gemeinsamen Steuererklärung zu deklarieren. Aufgrund der Steuerprogression fällt die Steuerlast bei einer gemeinsamen Besteuerung höher aus, da die Einkommen zusammengezählt werden. Die kantonalen Steuerämter kennen jedoch Steuererleichterungen, um die sogenannte Heiratsstrafe zu mildern. Die im Konkubinat lebenden Personen werden als Einzelpersonen besteuert und reichen getrennte Steuererklärungen ein. Die Steuerprogression wird dadurch gemildert, die Summe der zu bezahlenden Steuern fällt bei gleichem Einkommen geringer aus.

AHV-Rente

Erhalten beide Ehepartner die maximale Rente aus der AHV, so wird diese auf einen monatlichen Betrag von 3525 Franken (Stand 2015) begrenzt, was 150 Prozent von zwei Maximalrenten entspricht. Paare im Konkubinat können je zwei Maximalrenten erhalten, was einem Betrag von insgesamt 4700 Franken (Stand 2015) entspricht. Wie bei den Steuern sind hier Konkubinatspaare klar bevorteilt.

Hinterlassenenleistungen

Anders sieht es bei den Hinterlassenenleistungen aus. Stirbt ein Ehepartner, hat der überlebende Ehegatte in der Regel Anspruch auf eine Witwen-/ Witwerrente aus der AHV und Pensionskasse des verstorbenen Partners. Für Konkubinatspartner gilt das nicht. Viele Pensionskassen zahlen dem hinterbliebenen Konkubinatspartner jedoch freiwillig eine Rente oder eine einmalige Kapitalabfindung aus, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind. Häufig muss die Lebensgemeinschaft mindestens fünf Jahre bestanden haben, und/ oder es müssen gemeinsame Kinder vorhanden sein. Darüber hinaus verlangen die meisten Pensionskassen, dass die versicherte Person zu Lebzeiten eine schriftliche Begünstigungserklärung zu Gunsten des Lebenspartners eingereicht hat.

Nachlassregelung

Auch beim Erben sind Ehepaare im Vorteil: Dem überlebenden Ehepartner steht, selbst ohne spezielle Anordnungen, gesetzlich die Hälfte des Nachlassvermögens zu. Konkubinatspartner gehen nach dem Tod ihres Partners leer aus, wenn die gesetzliche Erbfolge zur Anwendung kommt. Mit einem Testament können Paare ohne Trauschein dafür sorgen, dass mindestens ein Teil ihres Vermögens ihrem Partner zugutekommt. Dies ist aber nur unter Berücksichtigung der Pflichtteile möglich. Sind wie in Ihrem Fall keine Nachkommen vorhanden, haben die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil, der pro Elternteil einen Viertel beträgt. Auch hei den Erhschaftsteuern gilt es, Unterschiede zu beachten: Ehepartner werden von der Erbschafts- und Schenkungssteuer privilegiert besteuert oder sogar vollumfänglich von der Steuer befreit. Den Konkubinatspartnem kommt kein solches Privileg zu. Einige Kantone und Gemeinden haben sich zwar den veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst, indem sie auch für Konkubinatspartner ein steuerliches Privileg vorsehen. In der Regel kommt aber der höchste Steuertarif für den Konkubinatspartner zur Anwendung.

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