Ehe oder Konkubinat: Sorgfältig abwägen

Basler Zeitung, 4.6.2015

Von Marc Hutmacher, Vorsorge- und Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum Basel

Stirbt ein Ehepartner, haben die Ehefrau oder der Ehemann in der Regel Anspruch auf Hinterlassenenleistungen der AHV und der betrieblichen  Unfallversicherung oder Pensionskasse ihres verstorbenen Partners.

Für Konkubinatspartner gilt das nicht. Viele Pensionskassen zahlen dem hinterbliebenen Konkubinatspartner jedoch freiwillig eine Rente oder einmalige Kapitalabfindung aus, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind.

Häufig muss das Konkubinat mindestens fünf Jahre bestanden haben, oder es müssen gemeinsame Kinder vorhanden sein. Darüber hinaus verlangen die meisten Pensionskassen, dass die versicherte Person zu Lebzeiten eine schriftliche Begünstigungserklärung zugunsten ihres Lebenspartners eingereicht hat.

Bessergestellt sind unverheiratete Paare einzig nach der Pensionierung bei der AHV: Ehepaare erhalten zusammen höchstens 3525 Franken. Paare im Konkubinat können hingegen bis zu 4700 Franken bekommen, wenn beide Partner Anspruch auf die Maximalrente haben. Das kann vor allem für Paare von Bedeutung sein, die im fortgeschrittenen Alter eine Heirat erwägen.

Von der Erbschaftssteuer befreit

Wenn die gesetzliche Erbfolge zur Anwendung kommt, gehen Konkubinatspartner nach dem Tod ihres Partners leer aus. Dem überlebenden Partner steht hingegen selbst ohne spezielle Anordnungen mindestens die Hälfte des Vermögens des Verstorbenen zu. Zusätzlich können Ehepaare ihren Partner mit einem Ehevertrag, Testament oder Erbvertrag darüber hinaus begünstigen.

Mit einem Testament können auch Paare ohne Trauschein dafür sorgen, dass mindestens ein Teil ihres Vermögens ihrem Partner zugutekommt. Hinterlässt ein Konkubinatspartner Kinder, kann er seinem Partner aber lediglich einen Viertel seines Vermögens im Testament zuweisen, da der Pflichtteil der Nachkommen drei Viertel beträgt. Sind keine Nachkommen vorhanden, haben die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil, der pro Elternteil einen Viertel beträgt.

Ehepartner sind von der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit, während Konkubinatspartner im Kanton Basel- Stadt für ein Erbe von 200 000 Franken fast 18 000 Franken Erbschaftssteuern zahlen; im Kanton Basel-Landschaft sind es über 25 000 Franken. Bestand das Konkubinat weniger als fünf Jahre, fallen sogar 53 000 Franken (BS) und 57 000 Franken (BL) Steuern an.

Von einer Heirat profitieren auch Kinder eines Partners, wenn ihre Stiefmutter oder ihr Stiefvater sie im Testament begünstigt. Die Erbschaftssteuersätze für Stiefkinder sind deutlich tiefer als für Nichtverwandte. In manchen Kantonen sind sie davon sogar ganz befreit. Bevorteilt sind Ehepaare auch bei Auszahlungen aus der Pensionskasse und der Säule 3a, da für sie der günstigere Steuertarif gilt. Konkubinatspaare zahlen dafür meist weniger Einkommenssteuern, wenn beide Partner erwerbstätig sind.

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