Die Pensionierung frühzeitig planen

Basler Zeitung, 5.11.2015

Von Ersin Norkaya, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Rheinfelden

Spätestens mit 55 wichtige Fragen angehen

Angehende Pensionierte sollten frühzeitig wissen, wie ihre finanzielle Situation nach der Erwerbsaufgabe aussieht. Die Renten der AHV und der Pensionskasse betragen in der Regel zusammen nur etwa 60 bis 70 Prozent des bisherigen Erwerbseinkommens. Spätestens zehn Jahre vor der Pensionierung sollte man deshalb einen Finanzplan erstellen, der aufzeigt, wie sich Einkommen, Ausgaben und Vermögen bis dahin und über die Pensionierung hinaus entwickeln.

Je früher man eine Einkommenslücke erkennt, desto eher lässt sie sich noch schliessen. Gleichzeitig prüfen sollte man, ob das Eigenheim nach der Erwerbsaufgabe noch tragbar ist. Immer mehr Banken kündigen Pensionierten die Hypothek, weil sie die Tragbarkeitsvorschriften nicht mehr erfüllen. Hypothekarzinsen und Unterhaltskosten dürfen zusammen nämlich ein Drittel der Renteneinkünfte auch dann nicht übersteigen, wenn die Zinsen auf fünf Prozent steigen.

Die Gegenüberstellung der voraussichtlichen Ausgaben und Einnahmen nach der Pensionierung deckt nicht nur einen möglichen Engpass auf, sondern erleichtert auch wichtige Entscheide, zum Beispiel ob eine Frühpensionierung finanziell tragbar ist und welchen Teil des Pensionskassenguthabens man am besten als Rente beziehen oder auszahlen lassen soll.

Die Anmeldefrist für einen Kapitalbezug beträgt bei einigen Pensionskassen bis zu drei Jahre. Wer diese Frist verpasst, kann sein ganzes Guthaben oft nur noch als lebenslange Rente beziehen. Der Finanzplan muss auf realistischen Annahmen beruhen. Stark ins Gewicht fällt die Teuerung. Wer heute 8000 Franken im Monat ausgibt, braucht bei einer Inflation von 1,5 Prozent in zehn Jahren rund 9300 Franken. Halten die Einkünfte nicht mit der Teuerung Schritt, wird die Einkommenslücke mit den Jahren grösser. Die AHV passt ihre Renten mindestens alle zwei Jahre an. Die meisten Pensionskassen hingegen gleichen die Teuerung nicht oder nur teilweise aus.

Zehntausende Franken sparen

Es lohnt sich, auch die Steuerplanung früh anzugehen. Wer nämlich Bezüge von Guthaben der zweiten Säule und der Säule 3a geschickt staffelt, spart oft mehrere Zehntausend Franken Steuern. Zusätzlichen Spielraum für eine Steueroptimierung eröffnet eine gestaffelte Pensionierung. Drei Jahre vor der Pensionierung ist auch die letzte Gelegenheit für Einkäufe in die Pensionskasse, wenn man bei der Pensionierung mindestens einen Teil seines Pensionskassenguthabens in Kapitalform beziehen möchte.

Der Bezug der AHV-Rente sollte auch vorausschauend geplant werden. Etwa drei Monate vor der Pensionierung sollte der Bezug der Rente bei der AHV-Ausgleichskasse angemeldet werden, damit die erste Rente pünktlich eintrifft.

Sobald die Pensionierung näherrückt, wird es höchste Zeit, sich auch mit der Erbschaftsplanung zu beschäftigen. Ohne Vorkehrungen gerät der hinterbliebene Ehe- oder Lebenspartner möglicherweise in finanzielle Schwierigkeiten, weil sein Einkommen deutlich sinkt und er seine Miterben auszahlen muss.

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