Die Eintragung der Partnerschaft löst nicht alle Probleme

Display, 1.11.2015

Ein Jahr LGBT-Desk beim VZ VermögensZentrum: Der Leiter Jonas Schneider zieht Bilanz.

DISPLAY: Jonas, das VZ bietet seit einem Jahr LGBT-Beratung an. Wie ist die Nachfrage?

Jonas Schneider: Wir sind sehr positiv überrascht. Zwei Veranstaltungen zum Partnerschaftsgesetz, die wir im DISPLAY angekündigt hatten, wurden gleich von 110 Interessenten besucht. Dabei zeigte es sich, dass noch grosser Informationsbedarf besteht. Viele Gays wissen nicht, dass eine Eintragung der Partnerschaft allein noch längst nicht alle Probleme löst.

Lässt es sich sagen, welche Männer vor allem Beratung suchen?

Die Kunden kommen aus der ganzen Schweiz. Einige sind selbständig. Naturgemäss sind es weniger junge Schwule - mit 25 Jahren ist finanzielle Absicherung noch kein Thema. Die meisten sind zwischen 40 und 70.

Was hat dich überrascht?

Ich fand es schön zu sehen, wie viele langjährige Gay-Paare es gibt. Das Vorurteil vom bindungsunfähigen Schwulen wird bei meiner Arbeit täglich widerlegt. Ich habe Männer in der Beratung, die 20, 30 Jahre zusammen durch dick und dünn gehen. Sie stehen zueinander, obwohl es im Gegensatz zu Heteros keinen gesellschaftlichen Ehe-Normdruck gibt und normalerweise auch keine Kinder, die das Paar zusammenhalten. Das muss Liebe sein! Übrigens haben viele GayPaare einen grossen Altersunterschied. Da ist die Verpartnerung wichtig, da häufig der eine ein grösseres Vermögen hat als der andere.

Gab es auch einen Fall, der dich speziell bewegte?

Ich beriet Paare, die sich absichern wollten, weil der eine Partner unheilbar krank ist. Eine solch traurige Situation geht mir unter die Haut.

Und die schönen Erlebnisse?

Natürlich freut es mich, dass sich schon Paare auf meinen Rat hin eintragen liessen. Es gab sogar Fälle, in denen zunächst einer gegen eine Verpartnerung war, weil dies zu heteronormativ sei. - Rührend waren zwei weit über 80-jährige Männer, die sich nach mehr als 50 Jahren Partnerschaft bei mir Rat holten.

Welches sind die wichtigsten Fragen, die euch gestellt werden?

Das Top-Thema ist die Absicherung. Was passiert, wenn einem der Partner etwas zustösst? Dazu kommen Vorsorgethemen: Pensionierung, Geldanlagen, Hypotheken...

Gibst du den DISPLAY-Lesern noch einen Anlage-Tipp?

Gern. Es kann sich sehr lohnen, Geld in die Pensionskasse einzuzahlen, dadurch erhält man einen Steuervorteil. Und ganz besonders empfehle ich ETF-Fonds. Sie sind breit diversifiziert und die Gebühren sind niedrig. 

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