Der SMI hat viele überrascht

Basler Zeitung, 20.08.2015

Von Oliver Cazzonelli, Anlageexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Experten prognostizierten noch im Januar ein schlechtes Jahr

In den ersten zwei Handelstagen nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank am 15. Januar verlor der Schweizer Aktienmarkt gemessen am SMI über 14 Prozent an Wert. Viele Experten prognostizierten in der Folge deutlich tiefere Bewertungen von Schweizer Aktien in den kommenden Monaten.

Wichtige ausländische Aktienmärkte reagierten grösstenteils positiv auf die Frankenaufwertung. Weil sich gleichzeitig aber fast alle Währungen abwerteten, brachen ausländische Aktienmärkte in Schweizer Franken gerechnet ebenfalls ein. Für Schweizer Anleger ist die Rendite in Franken massgebend. Der US-Leitzindex S&P 500 zum Beispiel verlor in Franken 15 Prozent. Aktien Europa, Asien Pazifik und Schwellenländer mussten aufgrund des erstarkten Frankens Korrekturen in vergleichbarem Umfang hinnehmen.

Die Aktienmärkte erreichten ihre Tiefstwerte wenige Tage nach dem 15. Januar. Danach setzte der Schweizer Aktienmarkt zur starken Erholung an. Inzwischen steht der SMI sogar rund sieben Prozent höher als Anfang Jahr, wenn man die Dividenden mit einrechnet. Zu Jahresbeginn hatte noch kaum ein Finanzanalyst so eine Entwicklung erwartet. Das zeigt einmal mehr, wie schwierig verlässliche Kursprognosen sind.

Die Finanzmärkte sind komplexe Systeme und werden von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Dazu zählen unternehmensspezifische Faktoren wie Umsätze und Gewinne, makroökonomische wie Währungen und Arbeitslosenquoten, politische wie soziale Unruhen und Wahlen sowie Katastrophen wie Terroranschläge und Erdbeben. Die meisten dieser Faktoren lassen sich nicht vorhersehen. Aber auch das Verhalten der Anleger beeinflusst die Kurse. Sie verhalten sich getrieben durch ihre Emotionen oft irrational. Das kann dazu führen, dass die Entwicklung an den Finanzmärkten sich von der Realwirtschaft abkoppelt. Der US-Nobelpreisträger Robert Shiller hat nachgewiesen, dass die Schwankungen sich oft nur zu einem kleinen Teil durch die Fundamentaldaten der Realwirtschaft begründen lassen. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass Kursprognosen oft fehlerhaft sind.

Als Alternativen zu den prognosebasierten Anlagelösungen gibt es Strategien, die nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit schauen. Sie werten die gesicherten vergangenen Kursentwicklungen aus. An den Börsen kommt es immer wieder zu Auf- oder Abwärtstrends, die über eine längere Zeit Bestand haben. Diese Trends macht sich etwa die Relative-Stärke-Strategie zunutze. Wer mit ihr investiert, analysiert ausschliesslich die historischen Kurstrends. News, subjektive Einschätzungen und Fundamentaldaten lässt er unberücksichtigt.

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