Braucht es neben dem Testament andere Vorkehrungen?

Neue Luzerner Zeitung, 14.8.2015

Ratgeber: Ich bin 62 Jahre alt und alleinstehend. Um meinen Nachlass frühzeitig zu regeln, habe ich ein Testament aufgesetzt. Nun frage ich mich, ob es neben dem Nachlass weitere Punkte gibt, welche ich frühzeitig regeln kann? Ich habe schon von Patientenverfügungen und Vorsorgeaufträgen gehört. Was ist darunter zu verstehen und wie sind diese aufzugleisen? 

Samuel Schurmann, Vorsorgeexperte beim VZ VermögensZentrum in Luzern:

Patientenverfügung

Wenn Sie schwer krank werden oder wenn Ihnen ein Unfall zustösst, ist es möglich, dass Sie plötzlich nicht mehr handlungsfähig sind. Wenn Sie Ihre Wünsche und Anordnungen für einen solchen Fall schon frühzeitig niederschreiben, erweisen Sie sich und Ihren Angehörigen einen grossen Dienst. Mit einer Patientenverfügung können Sie medizinische Entscheidungen an Familienmitglieder, Freunde oder an andere nahestehende Personen übertragen. Sie regeln in dieser Verfügung unter anderem die lebensverlängernden Massnahmen und Ihre Bereitschaft zur Organspende. Im Internet finden Sie zahlreiche Vorlagen für die Patientenverfügung. Diese ist mit Ort, Datum und Unterschrift gültig und benötigt keine weitere Beglaubigung. Als Aufbewahrungsort bietet sich der Hausarzt an. Ein weiteres Exemplar ist am besten einer nahestehenden Person zu übergeben. Zudem besteht die Möglichkeit, die Existenz einer Patientenverfügung und deren Hinterlegungsort auf der Versichertenkarte eintragen zu lassen.

Handschriftlicher Vorsorgeauftrag

Im Falle einer Urteilsunfähigkeit einer Person muss die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) von Gesetzes wegen prüfen, ob eine Beistandschaft erforderlich ist. Als urteilsunfähig gilt jemand, der in einer konkreten Lebenssituation nicht mehr «vernunftgemäss» handeln und die Tragweite des eigenen Handelns nicht einschätzen kann. Wenn ein detaillierter Vorsorgeauftrag vorliegt, verzichtet die Erwachsenenschutzbehörde in der Regel auf eine Beistandschaft. Im Vorsorgeauftrag ist geregelt, wer Sie bei Verlust der Urteilsfähigkeit betreuen soll. Zudem können Sie bestimmen, wer für die finanziellen Angelegenheiten zuständig ist und wer Sie in rechtlichen Fragen vertritt. Einen Vorsorgeauftrag müssen Sie wie ein Testament vollständig handschriftlich verfassen, datieren und unterschreiben oder öffentlich beurkunden lassen. Dazu muss man handlungsfähig sein, also volljährig und urteilsfähig. Die eingesetzte Person sollte sich für das Mandat eignen und es auch übernehmen wollen. Wenn man urteilsunfähig wird und einen Vorsorgeauftrag ausgestellt hat, muss die Erwachsenenschutzbehörde Kesb möglichst rasch davon erfahren. Denn erst wenn sie grünes Licht gibt, kann die im Vorsorgeauftrag bestimmte Person aktiv werden. Deshalb ist es ratsam, den Hinterlegungsort des Vorsorgeauftrags beim Zivilstandsamt eintragen zu lassen.

Sicher aufbewahren

Der Vorsorgeauftrag soll an einem sicheren Ort zu Hause oder bei einer Vertrauensperson aufbewahrt werden. Je nach Wohngemeinde ist es allenfalls möglich, den Auftrag bei der Einwohnergemeinde oder bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zu hinterlegen.

Diese Seite teilen