Bei der Bauabnahme genau hinschauen

Basler Zeitung, 10.12.2015

Worauf es bei der Übernahme des schlüsselfertigen Eigenheims ankommt

Von Gaetano Fiscelli, Leiter Immobilien- und Bauherrenberatung beim VZ VermögensZentrum

Bei den meisten Neubauten treten Mängel auf. Baumängel sind ärgerlich und können zu Verzögerungen beim Bezug des Eigenheims führen. Umso wichtiger ist eine gründliche Bauabnahme. Sie dient dazu, alle Mängel am Bauwerk zu erkennen und zu rügen.

Ausserdem laufen vom Zeitpunkt der Abnahme die Garantiefristen (in der Regel nach der SIA Norm 118). Mit der Unterzeichnung der offiziellen Bauabnahme gehen alle Gefahren und Risiken auf die Käufer über. Es lohnt sich, genau hinzuschauen.

Bei der Bauabnahme treffen Käufer auf fachlich versierte Vertreter des Generalunternehmers, die auf eine zügige Durchführung drängen. Käufer hingegen sind in der Regel nicht vom Fach, haben keine Erfahrung mit Bauabnahmen und  sind nicht mit den Normen, Rechten, Toleranzgrenzen, Fristen und  Gepflogenheiten vertraut.

Wer sich unnötigen Ärger ersparen will, holt sich Hilfe von einem unabhängigen Bauherrenberater, der genau weiss, worauf es zu achten gilt. Das muss nicht viel Geld kosten, eine erfahrene Fachperson kann eine solche Beratung mit einem kleinen Zeitaufwand erbringen.

Der Teufel steckt oft im Detail, deshalb führt man eine offizielle Bauabnahme am besten bei Tageslicht durch. Fenster sowie Maler- und Gipserarbeiten lassen sich nur bei sehr guten Lichtverhältnissen prüfen. Der Check reicht von der Kontrolle der Oberflächen wie Böden, Wände und Decken bis zur Prüfung einzelner  Bestandteile. Lassen sich Fenster, Türen und Jalousien einwandfrei öffnen und schliessen? Funktionieren alle elektrischen Geräte und sanitären Einrichtungen?

Der Verkäufer-Vertreter nimmt alle Beanstandungen in das Abnahmeprotokoll auf und schreibt fest, welche Mängel bis wann zu beheben sind. Was nicht im  Protokoll steht, gilt als akzeptiert.

Vorabnahmen sind sinnvoll

Käufer sollten darauf bestehen, auch Mängel wie Feuchtigkeitsflecken genau  festzuhalten, auch wenn diese nach Aussagen der Verkäufer von selbst verschwinden sollten. Ist man sich nicht einig, ob es sich im Einzelfall um einen Mangel handelt, dokumentiert der Käufer die Situation möglichst gründlich mit Fotos und Notizen. Das Protokoll sollte von beiden Seiten unterschrieben werden. Bei schwerwiegenden Mängeln kann der Käufer die Abnahme verweigern. Um solche Probleme zu vermeiden, sind Vorabnahmen sinnvoll.

Sie finden mehrere Wochen vor der eigentlichen Bauabnahme statt und dienen  dazu, die gröbsten Mängel zu erkennen. Wichtig ist, dass die Abnahme selbst bei  grossem Zeitdruck unbedingt vor dem Einzug erfolgt. Sonst lässt sich nicht mehr  eindeutig klären, welche Beschädigungen durch den Möbeltransport verursacht  wurden.

Gemäss Kaufvertrag erfährt der Käufer den Bauabnahmetermin in der Regel mehrere Monate vor Bezugsbereitschaft. So kann er seine Mietwohnung  fristgerecht kündigen. Wer für die Übergangsfrist genügend Puffer einkalkuliert  und eine zusätzliche Monatsmiete investieren kann, erspart sich allfälligen Stress. Im Kaufvertrag lässt sich zwar eine Verzugsentschädigung zur Deckung von  allfälligen Möbeleinlagerungs- und Hotelkosten festhalten, den Ärger hat man aber dennoch.

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