Auswandern: Was geschieht mit AHV und Krankenkasse?

Neue Luzerner Zeitung, 30.01.2015

Von Tim Zemp, Teamleiter beim VZ VermögensZentrum Luzern 

Ich (m, 62, geschieden) möchte mich frühzeitig pensionieren lassen und anschliessend nach Italien auswandern. Kann ich nur die PK-Rente vorzeitig beziehen und weiterhin in die AHV einzahlen, um Beitragslücken zu vermeiden? Ausserdem frage ich mich, wie ich die Krankenversicherung regeln soll.

Sie tun gut daran, das Auswandern genau und frühzeitig zu planen. Denn es gibt je nach Destination unterschiedliche Regeln zu beachten, wenn man später keine unliebsamen Überraschungen erleben will. Seit dem Inkrafttreten der bilateralen Abkommen der Schweiz mit den EU-Staaten können Frühpensionierte, die in die EU auswandern, nicht mehr der freiwilligen AHV beitreten, um Beitragslücken zu vermeiden. Nur Frühpensionierte, die in ein Land ausserhalb der EU auswandern, können der freiwilligen AHV beitreten, wenn sie die letzten fünf Jahre in der Schweiz AHV-versichert waren.

Kassen frühzeitig informieren

Den Domizilwechsel sollte man der Pensionskasse und der AHV-Ausgleichskasse möglichst früh mitteilen. Pensionskassen bestehen oft auf einer Überweisung auf ein Konto in der Schweiz. Die AHV-Rente dagegen kann man an jeden beliebigen Wohnort und in der Währung des Wohnsitzlandes oder einer anderen einlösbaren Währung überweisen lassen oder in Schweizer Franken auf ein Schweizer Konto.

Krankenversicherung in der Schweiz

Pensionierte, die in einen EU-Staat auswandern und ihre Rente ausschliesslich aus der Schweiz erhalten, müssen sich grundsätzlich in der Schweiz bei einer Krankenkasse gegen Krankheit und Unfall versichern. Pensionierte, die neben der Schweizer Rente auch eine Rente des neuen Wohnsitzlandes erhalten, müssen sich im Land krankenversichern, in dem sie wohnen. In einzelnen Ländern gibt es aber auch Ausnahmen: So ist es in Deutschland, Frankreich und Italien zum Beispiel den Rentenbezügern und ihren nichterwerbstätigen Familienangehörigen freigestellt, ob sie sich in der Schweiz oder im Wohnsitzland versichern. Von diesem Wahlrecht können sie allerdings nur in den ersten drei Monaten seit dem Zuzug Gebrauch machen. Auch Pensionierte, die in ein Land ausserhalb der EU auswandern, können unter Umständen in der Schweiz versichert bleiben. Viele Schweizer Krankenkassen bieten internationale Versicherungslösungen für Auslandschweizer an.

In einem EU-Staat versicherte Personen müssen sich in der Regel in ihrem Wohnland behandeln lassen. Sie haben Anrecht auf die gleichen Leistungen zu den gleichen Voraussetzungen, wie wenn Sie bei der lokalen Sozialversicherung dort versichert wären. In der Schweiz versicherte Rentner und ihre Familienangehörigen, die in einem EUStaat wohnen, haben das Behandlungswahlrecht, d. h., sie können sich wahlweise im Wohnland oder in der Schweiz medizinisch behandeln lassen. Die Versicherten haben für Behandlungen in der Schweiz die volle Kostenbeteiligung wie die in der Schweiz wohnhaften Versicherten zu bezahlen.

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