Amortisation kann finanziell einschränken

Der Schweizerische Hauseigentümer, 01.05.2015

Von Michael Fuss, Niederlassungsleiter VZ VermögensZentrum, Bern

Wer wegen den tiefen oder sogar negativen Anlagezinsen die Hypothek oder einen Teil davon zurückzahlen möchte, sollte alle Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen.

Die Zinsen auf Sparkonten sind so niedrig, dass Sparen unter dem Strich Geld kostet, wenn man alle Gebühren mit einrechnet. Selbst wenn man sein Geld mit einer Obligation sehr lange bindet, ist das unter Berücksichtigung der Steuern auf den Zinserträgen sowie den Transaktions- und Depotgebühren
oft ein Verlustgeschäft.

Viele Hausbesitzer überlegen sich deshalb, ob sie mit dem verfügbaren Geld ihre Hypothek amortisieren sollen.

Ausserterminliche Rückzahlung ist teuer

Die vorzeitige Rückzahlung einer Hypothek oder eines Teils davon hat
Kosten zur Folge, die sich schnell einmal auf mehrere tausend Franken belaufen. Sofern die Bank überhaupt einwilligt, denn eine vorzeitige
Rückzahlung ist in den meisten Hypothekar verträgen nicht oder höchstens bei einem Verkauf der Liegenschaft vorgesehen.

Wer seine Festhypothek früher zurückzahlen möchte, muss der Bank sämtliche Zinsen bis zum Verfall zahlen und je nach Kreditinstitut und Restlaufzeit zusätzlich noch einen Negativzins.

Bei Geldmarkt- bzw. Libor-Hypotheken verlangen Banken in der Regel ebenfalls eine Ausstiegsentschädigung, wenn sie vor Ablauf der meist zwei- bis fünfjährigen Rahmenvertragsdauer aufgelöst werden. Sie fällt jedoch deutlich geringer aus als bei einer Festhypothek.

Nicht alles im Eigenheim binden

Auch wer eine Hypothek bei Ablauf amortisieren möchte, sollte alle Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen. Eine tiefere Hypothek führt zu einer höheren Steuerbelastung, weil man weniger Schuldzinsen vom steuerbaren Einkommen abziehen kann.

Die Zinsersparnis, die eine Amortisation einbringt, reduziert sich bei einer Hypothek, für die man 1,5 Prozent Zinsen zahlt, bei einem Grenzsteuersatz von 33 Prozent auf netto 1 Prozent. Nach einer Amortisation ist das Kapital zudem im Eigenheim gebunden. Wer die Hypothek später wieder aufstocken möchte, kann dies unter Umständen nicht mehr oder nur unter erschwerten Bedingungen tun.

Besonders schwierig ist eine Aufstockung für Hausbesitzer, die kurz vor der Pensionierung stehen oder bereits pensioniert sind. Viele Banken verweigern älteren Kreditnehmern eine weitere Verschuldung, auch wenn sie sich die  höhere Hypothek bei den aktuell sehe tiefen Hypothekarzinsen problenlos  leisten könnten.

Die langfristige Tragbarkeit einer Hypothek ist für die Banken nur dann  gegeben, wenn die Eigenheimkosten auch bei einem Hypothekarzins von 5 Prozent zusammen mit den Kosten für den Unterhalt der Liegenschaft und  allfälligen Pflichtamortisationen höchstens ein Drittel der regelmässigen  Einkünfte ausmachen.

Nach der Pensionierung können Hausbesitzer oft keine ausreichenden festen Einkünfte mehr vorweisen. Das Geld, das im Eigenheim gebunden ist, fehlt ihnen dann für unvorhergesehene Ausgaben.

Das Geld für eine Zusatz-Rente verwenden

Wer die Hypothek amortisiert, sollte deshalb immer eine ausreichende Reserve zurückbehalten, auf die er problemlos zurückgreifen kann, wenn zum Beispiel eine Renovation ansteht oder wenn jemand  pflegebedürftig wird.

Pensionierte können das verfügbare Geld auch nach und nach aufbrauchen und so ihr laufendes Einkommen aufbessern, statt es für eine Amortisation einzusetzen.

Ein Guthaben von 200000 Franken zum Beispiel reicht aus, um sich 20 Jahre lang eine Zusatzrente von 10000 Franken auszuzahlen. Wenn das Guthaben 2 Prozent Ertrag abwirft, kann man jedes Jahr 12000 Franken  verbrauchen.

Wenn der grösste Teil des Vermögens eines Ehepaars im Eigenheim gebunden ist, dann ist es besonders wichtig, dass sich die Ehepartner gegenseitig finanziell absichern im Todesfall. Sonst muss der Überlebende das Eigenheim womöglich verkaufen, um die anderen Erben auszuzahlen.

Ohne rechtzeitige Vorkehrungen steht den Kindern die Hälfte des Nachlassvermögens ihres  verstorbenen Elternteils zu. Der Erbanteil der Kinder und ihrer Nachkommen lässt sich mit einem Ehevertrag, Testament oder Erbvertrag deutlich reduzieren. Es hängt von der Zusammensetzung des ehelichen Vermögens ab, ob eine dieser Möglichkeiten oder eine Kombination davon die sinnvollste Lösung darstellt.

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